Trauerrede ohne Pfarrer
Freie Trauerrede ohne Pfarrer: christlich geprägt oder weltlich

Und wer redet jetzt? Dieser Satz fällt in fast jeder Familie, meistens am Küchentisch, zwei oder drei Tage nach dem Tod. Das Bestattungshaus hat einen Termin genannt, auf dem Tisch liegen Zettel, und mit einem Mal ist klar, dass am Mittwoch um halb zwei jemand vorne stehen und über Ihren Menschen sprechen muss.
Diese Frage müssen Sie nicht allein beantworten. Sie müssen auch nicht wissen, was Sie eigentlich wollen, denn das weiß fast niemand.
Rufen Sie an
und erzählen Sie mir, wer gestorben ist. Was daraus wird, finden wir zusammen heraus, in Ruhe, und vorbereiten müssen Sie dafür nichts.
Manche Familien wollen bewusst niemanden von der Kirche. Andere hätten gern eine Pfarrerin oder einen Pfarrer und bekommen keine Begleitung, weil jemand ausgetreten ist, weil niemand erreichbar ist oder weil in dieser Familie etwas gewesen ist, das im kirchlichen Rahmen nicht vorgesehen ist. Für beide schreibe und halte ich die
Trauerrede, weltlich oder christlich geprägt, so wie es zum Leben Ihres Menschen passt.
Inhalte
- Warum immer mehr Familien eine freie Trauerrede wählen
- Wenn Sie die Trauerrede selbst halten möchten
- Was eine freie Trauerrednerin tut
- Wie aus Erinnerungen eine Trauerrede wird
- Christlicher Trost ohne Kirche
- Kirchenaustritt und Beerdigung: wenn die Kirche nicht mehr mitgeht
- Was eine freie Trauerrede besonders macht
- Von Ihrem Anruf bis zur Trauerfeier
- Wie eine Trauerfeier ohne Kirche abläuft
- Der Weg zum Grab: Beisetzung ohne Pfarrer
- Urnenbeisetzung ohne Pfarrer: was gesprochen wird
- Trauerfeier im Wald: FriedWald und RuheForst
- Die Grabrede: wenn es nur ans Grab geht
- Warum eine Trauerrede trösten kann
- Wenn der Abschied besonders schwer ist: Suizid und Sternenkinder
- Sie möchten Abschied nehmen, auf Ihre Weise?
Warum immer mehr Familien eine freie Trauerrede wählen
Wir sind doch gar nicht mehr in der Kirche. Diesen Satz höre ich oft, und er kommt fast immer leise, so als müsste sich jemand dafür entschuldigen.
Das müssen Sie nicht. Ein Austritt vor zwanzig Jahren nimmt Ihrem Menschen nichts von dem, was er war, und Ihnen nimmt er nicht das Recht auf einen
Abschied, der etwas taugt. Bei mir gerät niemand in Erklärungsnot.
Lange war es selbstverständlich, dass Geistliche die Beerdigung begleiten. Der Ablauf war vertraut, die Rituale gaben Orientierung, auch dann, wenn von der Kirche im Alltag längst nichts mehr übrig war. Heute trägt das nicht mehr für alle. Manche möchten keine religiösen Elemente mehr, andere wünschen sich genau die und finden niemanden, der sie spricht.
Ein Satz kommt am Telefon immer wieder: Eigentlich hätte es eine christliche Trauerrede sein sollen. Aber die Kirche macht das nicht mehr.
Was ich anbiete, richtet sich gegen nichts und gegen niemanden.
Ich schreibe die Trauerrede für diesen einen Menschen, mit Glauben darin oder ohne. Und in der Metropolregion Rhein-Neckar sehe ich seit Jahren, wie viele Familien genau danach suchen. Keine Zeremonie, die abläuft, sondern eine
Trauerfeier, in der sie ihre Mutter wiedererkennen. Oder ihren Bruder. Oder wen auch immer sie an diesem Mittwoch hergeben müssen.
Wenn Sie die Trauerrede selbst halten möchten
Eigentlich möchte ich selbst sprechen. Das nehmen sich viele vor, und der Gedanke kommt aus dem Richtigen. Wer sonst kennt diesen Menschen so gut wie Sie.
Nur unterschätzen fast alle, was an so einem Tag mit dem eigenen Körper passiert. Die Stimme bricht beim dritten Satz. Die Hände zittern so, dass das Blatt raschelt. Und die Angst, mittendrin abbrechen zu müssen, sitzt oft schon Tage vorher im Magen und nimmt Ihnen die letzten ruhigen Stunden vor der
Trauerfeier.
Deshalb mein Vorschlag:
Erzählen Sie mir, was gesagt werden soll,
und ich sage es. Ihre Sätze, meine Stimme.
Möchten Sie trotzdem selbst ein paar Worte sprechen, planen wir das ein, und ich stehe daneben. Kommen Sie nicht durch, übernehme ich, ohne dass es jemand merkt. Ein paar Mal habe ich das erlebt, und jedes Mal war es gut. Allein zu wissen, dass es besprochen ist, macht den Tag leichter.
Was Angehörige an dieser Stelle sagen, sind fast immer Erinnerungen. Der eine Nachmittag, die eine Angewohnheit, der eine Satz, der in der Familie längst zum geflügelten Wort geworden ist.
Was eine freie Trauerrednerin tut
Eine Fremde soll über meine Mutter sprechen. Diese Sorge steckt fast immer im ersten Anruf, auch wenn sie selten ausgesprochen wird.
Ich verstehe sie. Genau deshalb dauert unser Trauergespräch so lange, wie es dauert, und nicht so lange, wie es im Kalender steht. Ich gehe erst, wenn ich Ihre Mutter vor mir sehe.
Danach schreibe ich, allein, meistens über mehrere Tage, und ich lasse den Text zwischendurch liegen, weil das Beste oft erst beim zweiten Lesen kommt. Am Tag der Trauerfeier halte ich die Trauerrede. Danach bekommen Sie den vollständigen Text und behalten ihn, gedruckt oder als Datei, ganz wie Sie möchten.
Wie dieses Gespräch abläuft und warum es bei mir keine Vorlagen gibt, steht auf
Die Trauerrede.
Wie aus Erinnerungen eine Trauerrede wird
Ich weiß gar nicht, was ich erzählen soll. Damit fangen die meisten Gespräche an, und nach einer Stunde sitzen wir mitten in Geschichten, von denen Sie selbst nicht wussten, dass Sie sie noch haben.
Sie müssen nichts vorbereiten und nichts sortieren. Das ist mein Teil.
Ich frage nach dem, was in keinem Lebenslauf steht. Nach dem Satz, den er immer gesagt hat, wenn etwas schiefging. Nach der Handbewegung. Nach der Liebesgeschichte. Nach dem Nachmittag, der beim ersten Erzählen nichts bedeutet und beim zweiten alles. Aus solchen Kleinigkeiten wird ein Mensch wiedererkennbar.
Wie daraus die Trauerrede entsteht, habe ich auf der Seite
über die Entstehung einer Trauerrede beschrieben.
Christlicher Trost ohne Kirche
Geht ein Vaterunser überhaupt, wenn wir ausgetreten sind? Diese Frage kommt oft, und meistens flüstert sie jemand, als wäre sie unanständig.
Es geht. Alles, was Ihnen guttut, geht.
Viele Menschen, die ich begleite, sind irgendwann ausgetreten, oft wegen der Skandale der letzten Jahre. Aufgehört zu glauben haben die wenigsten. Manche gehen bis heute sonntags in die Kirche und zahlen nur keine Kirchensteuer mehr. Dass dieser Schritt am Grab Folgen hat, merken sie erst, wenn jemand stirbt.
In meinen Trauerreden hat der Glaube deshalb Platz, auch ohne Geistliche. Fürbitten baue ich ein, wenn Sie sie möchten. Das Vaterunser sowieso, und am Grab sprechen es fast immer alle mit, auch die, die es seit vierzig Jahren nicht mehr gebetet haben. Bibelverse habe ich schon oft in eine Trauerrede eingearbeitet, manchmal nur einen einzigen Satz oder einen Taufspruch, der über einem ganzen Leben stehen kann.
Einen förmlichen Segen spreche ich selten. Häufiger steht am Schluss ein Gedicht, oft eines von Dietrich Bonhoeffer, oder ein Vers, den Sie selbst oder wir zusammen ausgesucht haben.
Dass ich selbst gläubig bin, protestantisch, schreibe ich hier, weil es manchen Menschen wichtig ist. In meiner Arbeit spielt es keine Rolle. Bekehren möchte ich niemanden, in keine Richtung, und eine vollständig weltliche
Trauerrede schreibe ich mit derselben Sorgfalt.
Festgelegt bin ich auf keine Konfession. Wenn in Ihrer Familie andere Texte zu Hause sind als die, die ich kenne, bringen Sie sie mit. Ich lese mich ein, ich frage nach, und ich sage Ihnen ehrlich, wo meine Kenntnisse aufhören. Was ich nicht tue, ist ein Ritual nachzuahmen, das jemand anderem gehört.
Kirchenaustritt und Beerdigung: wenn die Kirche nicht mehr mitgeht
Wir haben gefragt. Die Kirche macht es nicht. Mit diesem Satz sitzen Familien vor mir, und dahinter steckt fast immer eine Kränkung, über die niemand spricht.
Sie haben nichts falsch gemacht. Was Ihnen da widerfahren ist, hat mit Ihrem Menschen nichts zu tun.
Was ich in solchen Familien erlebt habe, ist bitter. Ein Austritt, oft Jahrzehnte her, manchmal nicht einmal der eigene, sondern der der Ehefrau oder des Ehemanns, und die Kirche ließ sich nicht erweichen. Pfarrerinnen, Pfarrer und Priester vor Ort haben sich in mehreren meiner Fälle dafür eingesetzt, weil sie die Familie kannten und es anders wollten. Genehmigt hat die übergeordnete Stelle es bis heute in keinem einzigen den ich kenne.
Besonders schwer wird es, wenn eine Person ausgetreten ist und die andere nicht. Dann bekommt die eine ihren kirchlichen Abschied, und für die andere bleibt ein Loch, das in dieser Familie niemand mehr füllt.
Eine Ersatzkirche bin ich nicht. Was ich anbieten kann, ist eine Beerdigung ohne Pfarrer, in der der Glaube dieses Menschen trotzdem vorkommt,
mit den Worten, die zu ihm gehören, und ohne dass vorne jemand steht, der Ihre Familie nie getroffen hat. Einen guten Weg haben wir bisher immer gefunden.
Was eine freie Trauerrede besonders macht
Frei klingt so beliebig. Das hat mir einmal ein Sohn gesagt, kurz bevor wir mit unserem Trauergespräch anfingen, und ich fand die Sorge berechtigt.
Beliebig ist daran nichts. Frei heißt, dass die Form dem Menschen folgt und nicht umgekehrt.
Praktisch bedeutet das: Es gibt keine Reihenfolge, an die ich mich halten muss. Kein Lied ist zu unpassend, wenn es zu ihm gehört hat. Kein Gebet ist zu viel, wenn Sie es sich wünschen. Und wenn in Ihrer Familie jemand etwas sagen möchte, das auf eine
Trauerfeier
eigentlich nicht zu gehören scheint, sprechen wir vorher darüber, statt es wegzulassen.
Was ich nicht tue: Ich glätte nichts. Ein Leben war vielschichtig, und das halte ich aus.
Sie müssen Ihren Menschen bei mir nicht erklären und nicht verteidigen.
Von Ihrem Anruf bis zur Trauerfeier
Wann müssen wir was entschieden haben? Das fragen fast alle, und meistens klingt Panik mit, weil ohnehin schon zu viele Fristen im Raum stehen.
Bei mir läuft keine.
Sie rufen an, wir finden einen Termin für das Gespräch, und danach sage ich Ihnen, was ich noch brauche.
Zwischen dem ersten Anruf und der Trauerfeier liegen meistens fünf bis zehn Tage. Welche Schritte in welcher Reihenfolge kommen, wer was übernimmt und was Sie mir vorab schicken sollten, steht auf der Seite
Nächste Schritte. Anrufen können Sie, lange bevor irgendetwas davon geklärt ist. Die meisten tun es am Tag nach dem Tod, und das ist genau richtig.
Wie eine Trauerfeier ohne Kirche abläuft
Sie haben Angst, etwas falsch zu machen. Fast alle haben das. Wann soll ich aufstehen, wo sitze ich, wer sagt mir Bescheid, und was passiert, wenn ich anfange zu weinen und nicht mehr aufhöre.
Deshalb zuerst das Wichtigste: An diesem Tag müssen Sie nichts. Nicht aufpassen, nicht organisieren, kein Zeichen geben. Niemand wartet auf Sie. Wenn Sie weinen, weinen Sie. Wenn Sie mitten in der Trauerrede aufstehen und hinausgehen müssen, gehen Sie hinaus. Ich spreche weiter, und wenn Sie zurückkommen, sind Sie zurück. Das ist schon vorgekommen und hat noch nie jemanden gestört.
Ich bin lange vor Ihnen da. Nicht weil so viel zu tun wäre, sondern weil ich in Ruhe ankommen möchte, bevor Sie ankommen. Ich sehe nach, ob die Blumen liegen, ob die Musik läuft, ob die Friedhofsmitarbeitenden wissen, wann sie hereinkommen. Wenn Sie mich dabei sehen und überlegen, ob Sie mich stören: Sie stören nie. Ich bin für nichts anderes hier.
Dann beginnt meistens die Musik. Sie sitzen schon, und diese erste Minute ist meistens die schwerste des ganzen Tages, weil jetzt nichts mehr aufzuhalten ist. Ich komme herein, verbeuge mich vor Ihrem Menschen und gehe nach vorn. In dieser Minute sage ich nichts. Sie gehört Ihnen.
Danach spreche ich.
Es ist die Trauerrede, die aus unserem Gespräch entstanden ist, und Sie werden Sätze darin wiedererkennen, die Sie selbst gesagt haben. In der Mitte kommt öfters Musik, meistens ein Lied, und ich führe es so hinein, dass es dazugehört und nicht einfach abgespielt wird.
Am Schluss läuft das letzte Stück. Ich bleibe stehen, bis es trägt, dann gehe ich vom Pult weg, und die Friedhofsmitarbeitenden kommen herein. Ab hier müssen Sie nur noch aufstehen und mitgehen.
Der Weg zum Grab: Beisetzung ohne Pfarrer
Und dann? Wer sagt uns, wann wir losgehen sollen? Das fragt niemand vorher, und alle denken es.
Sie brauchen darauf nicht zu achten. Sie stehen auf, wenn die anderen aufstehen, und gehen mit.
Die Urne nehmen in der Regel die Friedhofsmitarbeitenden auf oder das Bestattungshaus. Möchte jemand aus Ihrer Familie sie selbst tragen, sagen Sie mir oder dem Bestattungshaus das bitte vorher. Dann ist es geregelt, und niemand muss in diesem Augenblick vor allen Leuten darum bitten.
Voran geht der Friedhofsmitarbeitende mit der Urne, ich folge dahinter, dann kommen Sie und die Trauergemeinde. Trägt jemand aus Ihrer Familie, gehen wir zu zweit rechts und links daneben. Auf diesem Weg wird meistens nicht gesprochen. Bei vielen Menschen kommen die Tränen genau hier, zwischen Halle und Grab, und dafür ist dieser Weg da.
Am Grab geht die Urne zurück, denn ablassen dürfen sie nur die Friedhofsmitarbeitenden. Ist sie unten, verbeugen sie sich und ziehen sich zurück. Von da an sind wir unter uns.
Was jetzt kommt, haben wir vorher zusammen ausgesucht. Ein Gedicht. Ein Vaterunser. Und wenn ein Ritual geplant ist, Briefe der Enkelkinder oder Wunderkerzen, leite ich es ein.
Danach verabschiede ich mich von Ihrem Menschen. Ich werfe Blumen, Blätter oder Erde ins Grab, verbeuge mich und wünsche ihm Ruhe in Frieden. Beim Ritual selbst bleibe ich meistens nicht dabei. Wenn Kinder etwas tun sollen und eine fremde Erwachsene daneben steht, tun sie es für diese Erwachsene und nicht für ihren Opa. Ich gehe dann weg, denn diese Minuten gehören Ihnen allein.
Urnenbeisetzung ohne Pfarrer: was gesprochen wird
Was wird da eigentlich gesagt? Viele suchen genau danach, oft nachts, oft mit dem Wunsch, einfach einen fertigen Text zu finden.
Ich weiß, warum. Es wäre eine Sorge weniger.
Zuerst zu einem Missverständnis, das Ihnen vielleicht schon jemand erzählt hat: Eine Urnenbeisetzung sei die kleinere Sache. Bei mir stimmt das nicht.
Dieselbe Trauerrede, dieselbe Trauerfeier, derselbe Weg.
Der Unterschied liegt am Grab. Bei einer Erdbestattung wird der Sarg gefahren, und mehrere Menschen sind dabei, weil er vom Wagen ins Grab gehoben werden muss. Eine Urne trägt ein Mensch allein. Manchmal ist dieser Mensch der Sohn, und wenn ich neben ihm hergehe, sehe ich, dass das für ihn der wichtigste Teil des ganzen Tages ist.
Gesprochen wird an der Urne dasselbe wie an jedem Grab, nur näher beieinander. Wenn sie unten ist, kommt das, was wir vorher ausgesucht haben. Ein Gedicht, oft eines, das Ihr Mensch selbst mochte. Ein Vaterunser, wenn Sie das möchten. Ein Bibelvers. Und zum Schluss die Worte, die ich beim Blumenwurf sage.
Fertige Texte zum Vorlesen bekommen Sie von mir nicht. Vorlagen sind der Grund, warum so viele Trauerreden austauschbar klingen, und Ihr Mensch war nicht austauschbar. Was Sie stattdessen bekommen: Wir finden im Gespräch heraus, was zu ihm passt. Und wenn Sie ein paar eigene Sätze sagen möchten, gehen wir sie vorher zusammen durch, so oft, bis Sie sich das zutrauen.
Trauerfeier im Wald: FriedWald und RuheForst
Im Wald, ist das überhaupt eine richtige Trauerfeier? Das fragen Angehörige oft, meistens weil jemand in der Familie Bedenken hat.
Es ist eine richtige, mit allem, was dazugehört. Und für viele Menschen ist es die schönste.
Meistens treffen sich alle am Parkplatz, wo oft ein Bauwagen oder eine Hütte steht, und gehen von dort gemeinsam mit der Försterin oder dem Förster zur Andachtsstätte. Dieser Weg tut den Menschen gut. Bis alle an der Andachtsstätte ankommen, ist etwas von der Anspannung abgefallen, und das merke ich jedes Mal.
Die Urne bringt entweder das Bestattungshaus mit, oder sie ist beim Förster, manchmal steht sie auch schon vor Ort. Blumenschmuck gibt es, wenn überhaupt, in sehr begrenztem Umfang, auf den Baumstämmen, die dort dafür stehen.
Die Trauerfeier selbst ist wie in einer Halle, nur unter freiem Himmel und viel offener. Ich halte die Trauerrede dort genauso wie drinnen. Es dauert oft eine halbe Stunde oder länger, weil im Wald niemand drängt und niemand auf die nächste Trauerfeier wartet.
Überdacht ist keine dieser Andachtsstätten. Bei strömendem Regen im Januar steht die ganze Trauergemeinde unter Schirmen, und das ist hart, für Sie und für mich. Meine Anlage und mein Mikrofon habe ich in einem wasserdichten Rucksack dabei, nur kann ich beides bei schwerem Regen nicht immer auspacken. Einmal hat mir der Wind mitten in der Trauerrede den Schirm erst umgestülpt und dann aus der Hand gerissen. Ich habe ihn eingefangen und weitergesprochen. Solche Dinge gehören im Wald dazu, und ändern lässt sich daran nichts.
Strom gibt es dort nirgends, deshalb laufen Anlage, Mikrofon und Lautsprecher bei mir über Akkus. Die Musik übernimmt jemand aus dem Freundes- oder Familienkreis, weil ich nicht gleichzeitig sprechen und zwei Geräte bedienen kann und weil ich nicht riskieren möchte, dass an der falschen Stelle nichts läuft. Einen Lautsprecher bringe ich mit, falls Sie keinen haben.
Am Ende ist es wie nach einer Trauerfeier in der Halle. Der Förster nimmt die Urne, oder jemand aus Ihrer Familie trägt sie, und wir gehen zusammen zum Baum. Das Grab ist immer schon ausgehoben, abgelassen wird die Urne immer vom Förster. Der Rest ist wie an jedem anderen Grab.
Was an Blumen, Kerzen oder Schmuck erlaubt ist, entscheidet der jeweilige Wald, und die Regeln reichen von gar nichts bis fast alles. Klären Sie das früh mit dem Betreiber. Ich möchte nicht, dass jemand aus Ihrer Familie am Tag selbst mit etwas in der Hand dasteht, das dort nicht bleiben kann.
Die Grabrede: wenn es nur ans Grab geht
Wir wollen keine große Sache in der Halle. Das sagen mir Familien häufiger, als Sie denken, und dahinter steckt selten Sparsamkeit.
Sie brauchen die Halle nicht. Ein Abschied am Grab ist eine vollständige Trauerfeier, mit allem, was dazugehört. Was ich dort halte, heißt Grabrede.
Sie fällt meistens etwas kürzer aus als eine Trauerrede in der Halle. Musik gibt es seltener, oft nur ein Stück am Anfang oder am Ende, und dafür bringe ich einen Lautsprecher mit, oder Sie haben selbst einen dabei.
Wie lang eine Grabrede sein kann, entscheidet der Friedhof. Manche geben zehn Minuten frei, andere sind großzügiger. Länger als zwanzig Minuten habe ich auf einem Friedhof am Grab noch nie gesprochen. Falls Sie sich fragen, ob das reicht: Es reicht. Ihr Mensch kommt darin vor, darauf kommt es an. Kürzer heißt dabei nicht günstiger. Eine Grabrede kostet dasselbe wie eine Trauerrede, 450 Euro. Warum das so ist, habe ich bei den
häufigen Fragen erklärt.
Zur Abgrenzung, weil die Frage manchmal aufkommt: Was ich nach einer Trauerfeier am offenen Grab sage, das Gedicht und das Vaterunser, ist keine Grabrede. Die Grabrede ist die Trauerrede selbst, wenn es keine Trauerfeier in der Halle gibt.
Warum eine Trauerrede trösten kann
Was soll das schon bringen, zwanzig Minuten Reden? Diese Frage stellt niemand laut, und viele denken sie, besonders Männer, die mir am Küchentisch gegenübersitzen und finden, das Ganze sei ohnehin Formsache.
Nach fast jeder Trauerfeier sagt mir jemand denselben Satz: Es war, als wäre er nochmal da gewesen.
Das ist der Maßstab. Den Schmerz nimmt eine Trauerrede nicht weg, das kann sie nicht und das soll sie nicht. Was sie kann, ist diesen Menschen für zwanzig Minuten in den Raum zurückholen, so genau, dass die Leute in den Bänken nicken, weil sie ihn wiedererkennen. Manche lachen dabei, mitten in der Trauerhalle, und erschrecken über sich selbst. Auch das gehört dazu, und es tut fast immer gut.
Wenn der Abschied besonders schwer ist: Suizid und Sternenkinder
Können Sie überhaupt sagen, wie er gestorben ist? Diese Frage kommt manchmal schon im ersten Telefonat, und sie kommt mit angehaltenem Atem.
Ich kann. Und ich weiß, welche Wörter dabei verletzen und welche nicht.
Manche Abschiede tragen ein Gewicht, das kaum zu fassen ist. Ein Mensch, der durch Suizid gestorben ist. Ein Kind, das still zur Welt kam. Für beides braucht es eine eigene Sprache, und es braucht jemanden, die vorher weiß, was sie sagt.
Wie ich damit umgehe und worauf es dabei ankommt, steht ausführlich auf meinen Seiten über den
Umgang mit Suizid
und über
Sternenkinder.
Unabhängig von meiner Arbeit finden Hinterbliebene Unterstützung bei
AGUS nach einem Suizid sowie beim
Bundesverband Verwaiste Eltern und trauernde Geschwister in Deutschland
und beim
Bundesverband Kinderhospiz
.
Sie möchten Abschied nehmen, auf Ihre Weise?
Sie wissen noch gar nicht, was Sie sagen sollen.
Rufen Sie trotzdem an.
Sie müssen mir nur erzählen, wer gestorben ist. Alles andere ergibt sich, und wenn Sie am Telefon weinen, dann weinen Sie. Das ist bei diesen Anrufen der Normalfall.
Ich begleite Sie in der Metropolregion Rhein-Neckar. In
Ludwigshafen
und in
Mannheim
kenne ich jede Trauerhalle, dazu komme ich nach Bad Dürkheim, Frankenthal, Speyer, Heidelberg und darüber hinaus.. Wohnen Sie weiter weg, sprechen wir per Telefon oder per Videocall.


