Trauer an Feiertagen: was helfen kann

Es gibt Tage im Jahr, die sich nicht überspringen lassen. Weihnachten. Sein Geburtstag. Der Hochzeitstag. Der Tag, an dem sie gestorben ist. Diese Daten stehen im Kalender, ob Sie wollen oder nicht, und sie kommen jedes Jahr wieder.

Ob Sie Weihnachten am leuchtenden Baum verbracht haben, Chanukka im Kerzenschimmer, das Eid-Fest bei der Familie oder Diwali mit den Lichtern, die Sie gemeinsam angezündet haben: an solchen Tagen wird spürbar, wie viel Platz dieser eine Mensch in Ihrem Alltag hatte. Genauso an einem Geburtstag, an dem sonst immer der Kuchen stand.

Aus Festtagen werden dann schwere Tage. Das ist der Normalfall, und niemand muss sich dafür erklären.

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Was diese Tage so schwer macht


Es sind zwei Sorten von Tagen, und sie wirken auf ganz unterschiedliche Weise.

Die Feiertage sind laut. Sie stehen in jedem Schaufenster, sie laufen in jedem Radiosender, und sie bringen Erwartungen mit. Die Tradition sagt: Sei dankbar. Feiere. Freu dich. Ihr Herz sagt etwas anderes. Beides gleichzeitig auszuhalten kostet mehr Kraft, als an einem einzigen Tag zur Verfügung steht.

Die Jahrestage sind das Gegenteil. Sie fallen niemandem auf, und außer Ihnen weiß meistens niemand davon. Sie sitzen an einem gewöhnlichen Dienstag im Büro, während sich zum
dritten Mal der Tag jährt, an dem das Telefon klingelte, und um Sie herum wird über den nächsten Urlaub gesprochen.

Beide Sorten kommen wieder. Jedes Jahr, zur selben Zeit. Manchmal tut es im dritten Jahr plötzlich wieder so weh wie beim ersten Mal. Dann erschrecken Menschen über sich selbst und halten sich für rückfällig. Sie sind es nicht. Trauer reagiert auf den Kalender, ohne sich nach ihm zu richten.


Wenn Bräuche sich plötzlich falsch anfühlen


Gewohntes zu erleben ohne diesen Menschen. Das ist das Schwere. Die Kerze anzünden, aber diese Person sitzt nicht mehr daneben. Das Gebet zu sprechen, aber ihre Stimme fehlt. Den Tisch zu decken, aber sein Platz bleibt leer. Den Feiertag zu erleben, den Sie gemeinsam geliebt haben, während sie nicht mehr da ist.

Manchmal können Sie überhaupt nichts mit der Tradition anfangen. Sie wollen keinen Weihnachtsbaum, keinen Kerzenleuchter. Sie können nicht in die Kirche gehen. Sie können nicht zum Seder gehen. Sie können nicht in die Synagoge, die Moschee, den Tempel gehen, weil die Trauer dort zu groß wird. Und das schafft ein Schuldgefühl, das nicht sein sollte. Weil Sie denken: Ich bin nicht stark genug. Ich erfülle die Tradition nicht. Ich bin untreu.

Aber das ist nicht wahr. Das ist nur ehrlich. Und Trauer braucht diese Ehrlichkeit.


Wie Sie den Tag für sich gestalten können


Es gibt keinen richtigen Weg. Das ist das Wichtigste, das Sie wissen sollten.

Manche Menschen brauchen im ersten Jahr eine Pause von den Gewohnheiten, den Traditionen. Sie gehen nicht hin. Sie machen es nicht. Sie ruhen sich aus. Und das ist nicht untreu.
Das ist liebevoll gegenüber sich selbst.

Andere Menschen brauchen den Brauch gerade jetzt besonders. Sie wollen genau diesen Feiertag erleben, die Tradition fortführen,
diese Person ehren durch das Tun. Und das ist genauso richtig.

Manche Menschen brauchen etwas Neues.
Sie erfinden das Ritual um. Sie zünden eine Kerze an für diese Person. Sie kochen das Essen, das diese Person zubereitete. Sie sprechen ein Gebet oder lesen ein Gedicht, das dieser Mensch liebte. Sie finden einen neuen Weg, den alten Feiertag zu würdigen.

Was zählt, ist, dass Sie entscheiden. Sie können absagen. Sie können hingehen und nach einer Stunde wieder verschwinden. Sie können den Tag von Grund auf anders begehen als in all den Jahren davor. Und Sie können traurig sein, mitten in einem Raum voller Lichter oder allein an einem Dienstagnachmittag. Nichts davon ist falsch. Das ist ein Mensch in Trauer an einem Tag, der dafür nicht vorgesehen war.


Wenn andere nicht wissen, was sie sagen sollen


Vielleicht ist es gar nicht der Tag, vor dem Ihnen graut, sondern der Raum voller Menschen.

Sie werden gefragt, wie es Ihnen geht, und die Frage ist ernst gemeint. Trotzdem wissen Sie nach zwei Sätzen nicht weiter. Andere weichen aus, weil sie Sie nicht traurig machen wollen, und reden über den Urlaub. Und irgendwann sagt jemand den Satz mit der Zeit, die alle Wunden heilt.

Es hilft, wenn Sie vorher wissen, was Sie antworten. Ein Satz reicht. Danke, heute geht es einigermaßen. Oder: Ich möchte lieber nicht darüber reden, aber schön, dass du fragst. Oder gar nichts und ein Schulterzucken. Sie schulden niemandem einen Bericht über Ihren Zustand.

Sagen Sie einem Menschen vorher, dass Sie vielleicht früher gehen. Dann müssen Sie sich am Abend nicht erklären, und einer im Raum weiß Bescheid.

Und für die, die neben Ihnen sitzen: Es hilft, den Namen des verstorbenen Menschen auszusprechen. Er ist nicht das Problem an diesem Tag. Sein Fehlen ist es.


Wenn Kinder mit am Tisch sitzen


Vielleicht fragen Sie sich, ob Sie den Feiertag den Kindern zuliebe trotzdem durchziehen sollten.

Kinder trauern anders. Sie weinen zehn Minuten und spielen danach weiter, und Erwachsene halten das für Kaltherzigkeit oder für ein Zeichen, dass alles in Ordnung ist. Beides stimmt nicht.
Kinder trauern in Schüben, weil sie den Schmerz nicht am Stück aushalten können.

An Feiertagen wird dieser Unterschied sichtbar. Am selben Tisch sitzt jemand, die kaum sprechen kann, und ein Kind, das sich über die Geschenke freut. Das tut weh, und es ist trotzdem richtig so. Das Kind vergisst nichts. Es teilt sich den Tag nur anders ein.

Sie müssen das Fest nicht durchhalten, damit die Kinder etwas Schönes haben. Kinder merken, wenn ein Fest gespielt wird. Sagen Sie ihnen lieber, dass dieses Jahr anders ist, und warum. Ein Satz reicht: Oma fehlt uns, deshalb machen wir Weihnachten diesmal kleiner.

Was Kindern hilft, ist eine Aufgabe. Die Kerze anzünden. Den Platz decken, der leer bleibt. Erzählen, was dieser Mensch an diesem Tag immer gemacht hat. Dann hat der fehlende Mensch einen Platz im Ablauf, und niemand muss so tun, als wäre er nicht da.

Ausführlich steht das unter
Kinder und Trauer.


Wie ich Sie begleite


Wenn so ein Tag vor Ihnen liegt und Ihnen jetzt schon davor graut, sprechen wir vorher darüber. Über die Angst vor dem Tag selbst. Über Bräuche, die sich mit einem Mal falsch anfühlen, obwohl sie Ihnen jahrelang wichtig waren. Über das, was Sie sich zutrauen, und über das, was Sie sich diesmal ersparen möchten.

Dabei entsteht meistens etwas sehr Praktisches. Ein Satz, den Sie parat haben, wenn jemand fragt, warum Sie nicht mitkommen. Eine Verabredung mit sich selbst, wann Sie wieder gehen. Ein Plan für den Abend danach, damit Sie nicht in eine leere Wohnung fallen. Vor einem Todestag ist es oft etwas ganz anderes: ein Ort, an den Sie fahren, und jemand, die mitkommt.

Da bin ich auch an den Tagen, an denen keine
Trauerfeier stattfindet und trotzdem alles wieder hochkommt. Per Telefon, per Videocall, persönlich in der Metropolregion Rhein-Neckar.

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