Vorsorge fürs Haustier im Todesfall

Patricia Rind

Was passiert mit Ihrem Tier, wenn Sie sterben? 

Ein Hund sitzt allein vor einem Tierheim-Eingang mit dem Schriftzug „Tierheim“ über der Tür.

Auch Tiere brauchen Vorsorge

Für viele Menschen sind Tiere keine Begleiter am Rand des Lebens, sondern ein fester Teil davon. Sie geben Struktur, Nähe und Verlässlichkeit. Sie sind Familie. Umso schmerzlicher ist der Gedanke, was mit ihnen geschieht, wenn man selbst plötzlich nicht mehr da ist. Und doch wird genau diese Frage oft verdrängt. Nicht aus Gleichgültigkeit, sondern weil sie schwer auszuhalten ist.

Vorsorge für Tiere bedeutet, Verantwortung ernst zu nehmen. Nicht nur für das eigene Leben, sondern auch für die Lebewesen, die auf uns angewiesen sind. Tiere können nicht erklären, was sie brauchen. Sie können nicht entscheiden, wohin sie gehen. Sie bleiben zurück. Und genau darin liegt unsere Aufgabe. Frühzeitig zu überlegen, wer sich kümmern kann, was wichtig ist und wie ein Tier geschützt werden kann, wenn das eigene Leben endet oder sich unerwartet verändert.

In meiner Arbeit begegne ich immer wieder Menschen, die erst sehr spät erkennen, wie wichtig diese Form der
Vorsorge ist. Oft erst dann, wenn Tiere tatsächlich plötzlich ohne Bezugsperson dastehen. Dieser Beitrag möchte sensibel hinschauen. Er soll informieren, ohne zu überfordern. Und er soll ermutigen, Verantwortung zu übernehmen, auch wenn das Thema unbequem ist. Denn Vorsorge für Tiere ist kein formaler Akt. Sie ist ein Ausdruck von Fürsorge und Verbundenheit.

Inhalte


  1. Warum Vorsorge auch fürs Tier zählt
  2. Die Realität: Wenn Tiere einfach übrig bleiben
  3. Was eine Tierverfügung ist – und was sie leisten kann
  4. Was in einer Tierverfügung stehen sollte
  5. Was eine Tierverfügung nicht kann – und wie Sie dennoch vorsorgen
  6. Schritt für Schritt zur Vorsorge
  7. Warum viele Menschen es trotzdem nicht tun
  8. Fazit: Was bleibt, ist Verantwortung
  9. Call to Action: Was Sie jetzt tun können

Warum Vorsorge auch fürs Tier zählt
 

Viele Menschen sorgen vor – für den eigenen Abschied, für die Familie, für das, was danach kommt. Aber kaum jemand denkt ans Tier.

Was geschieht mit dem Hund, der jeden Tag auf Sie wartet? Mit der Katze, die sich nur von Ihnen streicheln lässt? Mit den Kaninchen, die jeden Morgen an der Küchentür sitzen?

Tiere bleiben oft zurück – ungeplant, übersehen, allein. Und genau das lässt sich verhindern. Es braucht keine große Organisation, keine Bürokratie. Nur ein paar klare, aufrichtige Schritte.

Als freie Trauerrednerin in der Metropolregion Rhein-Neckar und darüber hinaus begleite ich Menschen, die vorsorgen wollen – für ihren Abschied, ihre Angehörigen, für das, was bleibt. Und immer öfter spielt dabei auch ein Tier eine Rolle.
Vorsorge endet nicht beim Menschen. Wer ein Tier liebt, trägt Verantwortung – auch über das eigene Leben hinaus.


Viele Tiere sind Familienmitglieder. Sie begleiten durch Alltag, Krankheit, Einsamkeit, Freude und Verlust. Sie sind mehr als Begleiter – sie geben Struktur, Nähe, Trost.

Gerade für ältere Menschen oder allein lebende Personen sind Haustiere ein stabiler, verlässlicher Teil des Lebens. Doch genau dann stellt sich die Frage: Wer kümmert sich, wenn ich es nicht mehr kann?

Die Realität ist einfach: Tiere können nicht für sich selbst vorsorgen. Sie warten. Still. Oft vergeblich. Und das ist kein Einzelfall.

Ich arbeite seit vielen Jahren ehrenamtlich im Tierschutz und habe viel Trauriges erlebt. In meiner Arbeit als freie Trauerrednerin im Raum Rhein-Neckar habe ich auch viele Geschichten gehört – von Angehörigen, die plötzlich vor der Situation stehen, ein Tier versorgen zu müssen, von dem sie kaum etwas wissen. Die Unsicherheit ist groß – und die Zeit zum Reagieren oft kurz.

Die Realität: Wenn Tiere einfach übrig bleiben


Tierschutzvereine, Tierärztinnen und Tierärzte berichten immer wieder von Situationen, die tief berühren und zugleich erschrecken. Tiere, die nach dem Tod ihres Menschen plötzlich niemandem mehr gehören. Sie sind da, sie leben, sie warten. Und doch weiß niemand so recht, was mit ihnen geschehen soll.

Da sind Hunde, die nach vielen gemeinsamen Jahren im Tierheim landen, weil sich niemand findet, der sie übernehmen kann oder will. Katzen, die tagelang allein in einer Wohnung sitzen, weil niemand einen Schlüssel hat und niemand weiß, dass sie überhaupt da sind. Kleine Tiere wie Meerschweinchen, Kanarienvögel oder Fische, die schlicht vergessen werden oder verschwinden, weil sie als weniger wichtig gelten. Und es gibt auch Fälle, in denen gesunde Tiere tierschutzwidrig eingeschläfert werden, nicht aus Grausamkeit, sondern aus Überforderung, Hilflosigkeit und Unwissen.

Diese Situationen entstehen nicht, weil Menschen herzlos sind. Sie entstehen, weil der Todesfall plötzlich da ist und niemand vorbereitet war. Angehörige stehen unter Schock, müssen Entscheidungen treffen und tragen Verantwortung für ein Lebewesen, das sie vielleicht gar nicht kennen oder nicht versorgen können. In diesem Moment fehlt oft die Orientierung. Was wäre richtig gewesen. Was hätte der Mensch gewollt. Wer hätte sich kümmern sollen.

Genau hier zeigt sich, wie wichtig Vorsorge auch für Tiere ist. Nicht als bürokratischer Akt, sondern als Akt der Fürsorge. Wer sich frühzeitig Gedanken macht, entlastet nicht nur andere Menschen, sondern schützt auch das Tier. Vorsorge verhindert nicht den Verlust. Aber sie kann verhindern, dass Tiere im schlimmsten Moment ihres Lebens zusätzlich leiden oder einfach übrig bleiben.

Was eine Tierverfügung ist - und was sie leisten kann


Eine Tierverfügung ist ein einfaches, handschriftliches oder digital verfasstes Dokument. Es regelt, was mit Ihrem Haustier passieren soll, wenn Sie selbst dazu nicht mehr in der Lage sind – sei es durch Krankheit, Pflegebedürftigkeit oder Tod.


Sie ist keine rechtlich bindende Verfügung, aber sie schafft Klarheit. Sie ist ein Zeichen: Ich habe mitgedacht. Ich habe Verantwortung übernommen.


Eine Tierverfügung kann:


  • eine konkrete Person als Bezugsperson benennen
  • finanzielle Absicherung mitdenken
  • Informationen über Ihr Tier festhalten
  • Angehörige entlasten
  • Tierleid vermeiden


Sie ersetzt kein Testament – aber sie ergänzt es. Und sie kann Leben retten.


In meiner Begleitung erlebe ich oft: Schon der Gedanke daran, dass das Tier gut aufgehoben ist, bringt spürbare Erleichterung.

Was in einer Tierverfügung stehen sollte


1. Wer übernimmt Ihr Tier?

Benennen Sie eine konkrete Person. Sprechen Sie vorher mit ihr. Klären Sie, ob sie wirklich bereit ist, das Tier zu übernehmen – im Notfall, nicht nur im Idealfall. Nennen Sie Name, Adresse, Telefonnummer – und wenn möglich auch eine Ersatzperson.

2. Finanzielle Absicherung

Ein Tier kostet Geld. Futter, Tierarzt, Medikamente, Pflege. Viele Menschen möchten die Übernahme nicht, weil sie sich die laufenden Kosten nicht leisten können.

Möglichkeiten:


  • ein Geldbetrag als Schenkung oder testamentarische Verfügung
  • ein Treuhandkonto oder Sparbuch mit Zweckbindung („Für die Versorgung von …“)
  • regelmäßige Unterstützung durch Verwandte oder Freunde


3. Alle Informationen, die dem Tier helfen


  • Was frisst das Tier?
  • Gibt es Unverträglichkeiten?
  • Medikamente?
  • Wie ist der Charakter?
  • Welche Rituale geben Sicherheit?


Halten Sie fest:


  • Name, Art, Rasse, Alter
  • Futtervorlieben, Tierarzt, Erkrankungen
  • Gewohnheiten, Ängste, Lieblingsspielzeug
  • Impfstatus, Chipnummer, Versicherung


Diese Angaben helfen der neuen Bezugsperson – und geben dem Tier Halt in einer schwierigen Umbruchphase.

Was eine Tierverfügung nicht kann - und wie Sie dennoch vorsorgen


Rechtlich gesehen ist eine Tierverfügung keine bindende Anordnung. Sie verpflichtet niemanden. Das bedeutet: Alle Beteiligten müssen einverstanden sein. Vertrauen ist entscheidend – aber es ersetzt keine rechtliche Absicherung.

Wenn Sie sicherstellen möchten, dass finanzielle Regelungen Bestand haben, oder wenn mehrere Personen betroffen sind, kann es sinnvoll sein, sich zusätzlich juristisch beraten zu lassen. Ein anwaltlicher oder notarischer Rat kann helfen, klare und wirksame Regelungen zu treffen – insbesondere im Zusammenspiel mit einem Testament.

Deshalb empfehle ich:


  • Führen Sie das Gespräch mit der benannten Person – nicht zwischen Tür und Angel
  • Sprechen Sie auch mit Ihrer Familie, damit niemand später überrascht ist
  • Hinterlegen Sie die Tierverfügung im Vorsorgeordner oder beim Tierarzt
  • Ziehen Sie ggf. ein Testament hinzu, um Geldbeträge verbindlich zu sichern
  • Erkundigen Sie sich bei Tierheimen oder Tierschutzvereinen – viele bieten feste Vereinbarungen für Notfälle an. In Ludwigshafen, Mannheim oder der Region Rhein-Neckar gibt es entsprechende Programme.

Schritt für Schritt zur Vorsorge


Person finden
Suchen Sie eine Bezugsperson, die Ihr Tier kennt oder bereit ist, es kennenzulernen. Sprechen Sie offen und ehrlich miteinander.

Finanzielles regeln
Ein Sparbuch, eine Schenkung, ein Testament. Es geht um Verantwortung.

Informationen zusammenstellen
Schreiben Sie alles auf, was das Tier betrifft. Halten Sie es schriftlich fest – nicht im Kopf.

Verfügung erstellen
Formulieren Sie Ihre Wünsche schriftlich. Unterschreiben Sie das Dokument. Halten Sie fest, wo es hinterlegt ist.

Mit Angehörigen sprechen
Damit keine Missverständnisse entstehen und im Ernstfall niemand sagen muss: „Ich wusste von nichts.“

Warum viele Menschen es trotzdem nicht tun


Das Thema tut weh. Es zwingt zum Nachdenken über das eigene Ende. Und über das Ende eines vertrauten Alltags. Kein Wunder, dass viele es vor sich herschieben.

Manche hoffen, dass es „schon irgendwie geht“. Andere möchten niemanden belasten. Und wieder andere wissen nicht, wo sie anfangen sollen.


Aber: Wer nichts tut, überlässt die Entscheidung dem Zufall. Oder fremden Händen.

Es geht nicht darum, alles zu kontrollieren. Aber darum, zu verhindern, dass ein geliebtes Lebewesen zum Problem wird – nur weil niemand wusste, was zu tun ist.

Viele meiner Begleitungen in Rhein-Neckar zeigen: Es geht nicht um Perfektion. Es geht darum, nicht wegzusehen. Verantwortung braucht keinen perfekten Plan. Nur einen ehrlichen.

Fazit: Was bleibt, ist Verantwortung


Ein Haustier kann nicht sprechen. Es kann keine Vollmacht erteilen. Es kann keine Nummer wählen. Es kann nur hoffen, dass Sie für es mitgedacht haben.

Vorsorge heißt nicht: Alles regeln. Vorsorge heißt: Ich habe mich gekümmert. Ich habe gesehen, dass da jemand ist, der auf mich angewiesen ist.

In meiner Arbeit als freie Trauerrednerin – ob in Ludwigshafen, Mannheim oder der Region Rhein-Neckar – erlebe ich immer wieder, wie entlastend es ist, wenn auch Tiere nicht vergessen wurden. Für Angehörige. Für das Tier. Für den Frieden, den man hinterlässt.

Was bleibt, ist das, was Sie geregelt haben. Und das, was Sie mit Liebe weitergeben.

In meiner Arbeit als freie Trauerrednerin geht es nicht nur um die
Trauerrede, sondern um das, was bleibt – für Menschen und manchmal auch für Tiere.

Denn ein Tier kann nicht sprechen. Aber es bleibt. Und es verdient, dass jemand vorausgedacht hat.

Call to Action: Was Sie jetzt tun können!


Wenn Sie ein Tier haben – beziehen Sie es in Ihre Vorsorge mit ein.


  • Notieren Sie alle wichtigen Informationen zu Ihrem Tier.
  • Sprechen Sie mit der Person, die Sie sich als künftige Bezugsperson wünschen.
  • Legen Sie eine Tierverfügung an – schriftlich, klar und gut auffindbar.
  • Sichern Sie finanzielle Mittel rechtlich ab, wenn möglich.
  • Besprechen Sie Ihre Entscheidung mit Ihrer Familie.


Es geht nicht um Formalitäten. Es geht um Verantwortung.

Und um ein Lebewesen, das Ihnen vertraut – auch dann, wenn Sie nicht mehr da sind.


Ich bin freie Trauerrednerin in der Metropolregion Rhein-Neckar und begleite viele Menschen auch bei der Vorbereitung auf ihren Abschied. Dabei geht es nicht nur um Trauerreden, sondern oft auch um Verantwortung – für das, was bleibt.


Auch für ein Tier, das niemand vergessen soll.


Hinweis: Die Inhalte dieses Beitrags dienen ausschließlich allgemeinen Informationszwecken. Sie stellen keine rechtliche Beratung dar und können eine individuelle Beratung durch zuständige Behörden, Rechtsanwälte oder Notare nicht ersetzen. Jegliche Haftung für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der Angaben ist ausgeschlossen.

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