Ein Platz am Tisch bleibt leer
Wenn an Feiertagen ein Platz leer bleibt

Wie soll das gehen, das erste Weihnachten ohne sie? Oder Hanukkah, Ostern, Silvester, Eid, ihr Geburtstag? Vielleicht stellen Sie sich diese Frage jedes Mal, wenn im Kalender wieder ein Feiertag näher rückt. Und irgendwann sehen Sie den Tisch vor sich, mit allen, die kommen werden, und mit dem einen Platz, der leer bleibt.
Wenn Ihnen vor diesen Tagen graut, ist das kein Zeichen dafür, dass mit Ihnen etwas nicht stimmt.
Trauer an Feiertagen ist für fast alle schwer, und die ersten Feiertage nach einem Verlust sind oft die schwersten. Das gilt für Weihnachten und Ostern genauso wie für Hanukkah, Ramadan oder den Jahreswechsel, weil an diesen Tagen alles nach Gemeinsamkeit ruft und ausgerechnet die eine Stimme fehlt, die immer dazugehört hat. Sie müssen an diesen Tagen nichts beweisen. Nicht, dass Sie stark sind, und nicht, dass das Leben weitergeht.
Vor großen Feiertagen höre ich in meinen Gesprächen fast immer dieselbe Frage: Was machen wir mit dem Stuhl? Manche lassen ihn bewusst frei. Andere stellen eine Kerze auf seinen Platz. Und manche räumen ihn weg, weil sie den Anblick nicht aushalten. Jede dieser Entscheidungen ist richtig, wenn es Ihre ist.
Als freie Trauerrednerin und Trauerbegleiterin in der Metropolregion Rhein-Neckar bin ich auch an diesen Tagen für Menschen da, die jemanden verloren haben, persönlich in
Ludwigshafen,
Mannheim
oder Heidelberg genauso wie am Telefon. Wenn Ihnen die Feiertage über den Kopf wachsen, sind Sie mit diesem Gefühl nicht allein.
Inhalte
- Wenn Feiertage sich verändern
- Wenn es am Tisch plötzlich ruhig wird
- Trauer in Wellen
- Zwischen Erinnern und Gegenwart
- Was in dieser Zeit tragen kann
- Fazit: Der Platz bleibt leer, und doch gefüllt mit Liebe
Wenn Feiertage sich verändern
Fällt es Ihnen schwer, die Kiste mit dem Weihnachtsschmuck aus dem Keller zu holen, oder die Osterdeko, die Sie jedes Jahr gemeinsam aufgehängt haben? Dann sind Sie mitten in dem, was viele vor einem Feiertag erleben. Die vertrauten Abläufe, die früher Halt gaben, fühlen sich plötzlich anders an. Der Duft von Gebäck und der festlich gedeckte Tisch lösten früher Vorfreude aus und wecken jetzt
Erinnerungen, die wehtun.
Die Kiste kann noch eine Weile stehen bleiben. Für viele wird diese Zeit zu einer Zeit des inneren Sortierens, und das braucht seine Zeit. Was früher selbstverständlich war, ist es nicht mehr, und niemand kann von Ihnen verlangen, dass es sich in diesem Jahr wieder so anfühlt wie früher.
Gerade an Feiertagen zeigt sich, wie nah Freude und Schmerz beieinanderliegen. Manche spüren die
Trauer
fast körperlich, andere eher im Hintergrund, beim ersten Kerzenlicht oder bei einem Lied im Radio, das plötzlich nicht mehr zu ertragen ist. Wenn andere feiern, wird spürbar, wie sehr jemand fehlt. Diese Erkenntnis tut weh, und sie ist trotzdem Teil des Erinnerns. Sie zeigt, wie tief die Verbindung war.
In meinen Gesprächen als
Trauerbegleiterin
beschreiben mir viele genau dieses Gefühl: Die Feiertage klingen plötzlich anders, sie riechen anders, sie fühlen sich anders an. Dann höre ich zu. Manchmal ist das schon genug, damit jemand den nächsten Tag schafft.
Wenn es am Tisch plötzlich ruhig wird
Irgendwann kommt dieser Moment. Das Essen steht auf dem Tisch, alle haben Platz genommen, und für ein paar Sekunden sagt niemand etwas. Alle sehen auf denselben Stuhl. Vielleicht hat er dort immer gesessen und die Weihnachtsgans tranchiert, vielleicht hat sie an Ostern als Erste die Eier versteckt.
Viele erzählen mir, dass sie genau diesen Moment kaum aushalten. Wenn das so ist, müssen Sie ihn nicht füllen. Das Schweigen zwischen den Gesprächen gehört an diesem Tag dazu, und es ist keine Stelle, an der etwas schiefgelaufen ist. Dort, wo früher Stimmen klangen, liegt jetzt eine Mischung aus Sehnsucht und Dankbarkeit, aus Schmerz und Zuneigung. Sie erinnert an das gemeinsame Lachen, an vertraute Gesten, an kleine Rituale, die einmal selbstverständlich waren. Und sie zeigt, dass der Mensch, der fehlt, noch immer zu Ihrem Leben gehört, auch wenn sein Stuhl leer bleibt.
Menschen empfinden diesen Moment sehr verschieden. Manche fürchten ihn, weil er wehtut. Andere spüren darin Nähe, gerade weil alle in diesem Augenblick an denselben Menschen denken. In meinen
Trauerreden
spreche ich oft genau davon: dass so ein Schweigen nicht gebrochen werden muss. Es kann einfach da sein. Wer es aushält, merkt manchmal, dass der Mensch, der fehlt, auf seine Weise noch mit am Tisch sitzt, in Gedanken, in einer Geste, in einem Satz, den jemand von ihm übernommen hat.
Trauer in Wellen
„Ich dachte, ich wäre schon weiter.“ Diesen Satz höre ich vor Feiertagen oft, meistens leicht beschämt. Wochenlang ging es einigermaßen, und dann reicht ein Lied im Radio oder der Duft von Zimt, und die
Trauer
ist wieder da, mit ganzer Wucht.
Mit Ihnen ist alles in Ordnung.
Trauer
verläuft selten geradlinig. Viele beschreiben sie wie Wellen, die sich zurückziehen und plötzlich wieder anrollen. An Feiertagen ist das besonders spürbar, weil der gewohnte Rhythmus des Alltags unterbrochen ist. Die Arbeit ruht, die Tage werden langsamer, und genau in diese freien Stunden hinein kommen die Erinnerungen. An Weihnachten, an Ostern, an Hanukkah, im Ramadan oder in der Nacht zum neuen Jahr geht es sehr vielen so.
Wer trauert, erlebt, dass sich Gefühle ständig verändern. An einem Tag scheint der Schmerz weit weg, am nächsten überflutet er Sie. Die Wellen kommen, weil die Verbindung zu dem Menschen, der fehlt, weiterbesteht. Als Trauerrednerin und Trauerbegleiterin sehe ich darin ein Zeichen, dass in Ihnen etwas lebendig bleibt:
Ihre Liebe zu diesem Menschen, die jetzt eine neue Form sucht.
Mit der Zeit werden die Wellen ruhiger. Sie verlieren ihre Wucht, ihre Bedeutung behalten sie. Und manchmal bringen sie etwas Kostbares mit, einen Moment der Dankbarkeit, mitten an einem Tag, an dem andere feiern.
Zwischen Erinnern und Gegenwart
Wie kann ein einziger Augenblick so weit auseinanderreißen? Eben zünden Sie noch die Kerze auf dem Tisch an, und im nächsten Moment sind Sie mitten in einer Erinnerung, an dieselbe Kerze, im selben Raum, an einem Abend, an dem noch alle da waren.
Diese Gleichzeitigkeit kann überwältigend sein. Sie tröstet und schmerzt im selben Atemzug, und beides ist in Ordnung. Feiertage holen Vergangenes ins Heute, ob Sie das wollen oder nicht, weil sie mit so vielen Düften, Liedern, Stimmen und Ritualen verbunden sind. Auf der einen Seite steht der Wunsch, an Traditionen festzuhalten, weil sie Halt geben. Auf der anderen Seite die Angst, dass genau diese Traditionen zu sehr an das erinnern, was nicht mehr ist.
In meiner Arbeit erlebe ich häufig, dass Menschen genau in dieser Spannung einen Weg finden. Sie gestalten die Feiertage neu, ruhiger und ehrlicher. Manchmal reicht eine kleine Veränderung: eine andere Uhrzeit für das Festessen, ein anderer Ort für den Spaziergang, ein Moment, in dem alle kurz innehalten, bevor das Licht angezündet wird. So bekommt die Erinnerung ihren Raum, ohne Sie zu überfordern.
Feiertage in der
Trauer
müssen nicht perfekt sein. Sie können anders sein als früher, schwer, ungewohnt, und an manchen Stellen auch wieder leicht. Erinnerung ist dabei etwas Lebendiges, sie verändert sich mit Ihnen. Sie kann traurig machen und gleichzeitig wärmen. Als Trauerbegleiterin erlebe ich immer wieder, wie gut es Menschen tut, wenn sie beides nebeneinander stehen lassen: das Erinnern und das Leben im Jetzt.
Was in dieser Zeit tragen kann
Vielleicht wünschen Sie sich jemanden, der Ihnen sagt, wie Sie diese Tage überstehen. Eine Liste zum Abarbeiten. Die gibt es leider nicht, und Sie müssen an diesen Tagen auch nichts richtig machen.
Oft erlebe ich, dass Menschen in der
Trauer
sehr streng mit sich sind. Sie wollen die Feiertage für die Kinder retten und dabei möglichst nicht weinen.
Trauer
folgt keiner Regel. Was an einem Tag hilft, kann am nächsten schwerfallen, und was Ihnen im letzten Jahr gutgetan hat, passt in diesem Jahr vielleicht gar nicht mehr.
Oft sind es kleine Dinge, die Halt geben. Eine Kerze, die Sie für Ihren Menschen anzünden. Ein Spaziergang am Feiertagsmorgen, wenn die Straßen noch leer sind. Ein Lied, das Sie ganz bewusst hören, weil es seins war. Oder ein Nachmittag, an dem Sie gar nichts tun.
Manchmal heißt es auch, Dinge wegzulassen, die zu anstrengend geworden sind, und neue Rituale zu finden. Ein Festessen im kleineren Kreis. Ein Foto auf dem Tisch. Ein Gebet, wenn Ihnen der Glaube Halt gibt, oder ein Moment, in dem jemand eine kleine Geschichte über den Menschen erzählt, der fehlt. Solche Momente verbinden das, was war, mit dem, was bleibt.
Gestalten Sie diese Tage so, wie sie sich für Sie richtig anfühlen, zurückgezogen oder mitten in der Familie, voller Erinnerung oder ganz schlicht. Wenn Sie in dieser Zeit jemanden zum Reden brauchen, der nicht zur Familie gehört, bin ich mit meiner Trauerbegleitung für Sie da, auch zwischen den Jahren und
auch am Telefon.
Der Platz bleibt leer, und doch gefüllt mit Liebe
Kann der Stuhl einfach leer bleiben? Diese Frage stellen mir Familien vor den Feiertagen häufig, und meine Antwort ist immer dieselbe: Ja. Er kann leer bleiben, so lange Sie das brauchen.
Viele lassen diesen Platz ganz bewusst frei. Sie decken ihn nicht, und sie setzen niemand anderen dorthin. Für sie ist der Platz gefüllt, mit Erinnerungen, mit Liebe, mit allem, was diesen Menschen ausgemacht hat. Wenn die Familie zusammenkommt, der Duft vom Festessen durch das Haus zieht und die Kerzen brennen, wird dieser Stuhl zum Zeichen dafür, dass jemand wichtig war und dass seine oder ihre Spuren weiterwirken.
An Feiertagen spüren viele zum ersten Mal deutlich, dass eine Beziehung nicht endet, wenn ein Leben endet. Sie verändert sich, sie wird innerlicher, und sie bleibt. Schmerz und Dankbarkeit, Leere und Nähe stehen dann nebeneinander. Beides gehört zur
Trauer, und keines muss das andere verdrängen.
Wenn Ihnen die nächsten Feiertage Angst machen, ob Weihnachten, Ostern oder der erste Geburtstag ohne Ihren Menschen,
dann rufen Sie an. Ich begleite Menschen in Ludwigshafen, Mannheim, Speyer, Heidelberg und in der ganzen Metropolregion Rhein-Neckar, persönlich, am Telefon oder per Videocall. Was Sie sagen möchten, ergibt sich im Gespräch.
Der Platz bleibt leer. Und Ihr Mensch gehört trotzdem dazu.


