Ich arbeite mit KI, und ich sage das offen

Patricia Rind

Warum ich Ihnen erzähle, wie meine Trauerreden entstehen

Gemütlicher Sessel am Fenster mit herbstlichen Bäumen, daneben ein kleiner Tisch mit zwei Tassen

Ich arbeite mit künstlicher Intelligenz.  Das schreibe ich lieber selbst (manche würden es als “zugeben” bezeichnen), als dass es irgendwann jemand anders (vorwurfsvoll oder sogar abwertend) über mich sagt. Es vielleicht sogar als "Enthüllung" darstellt.

Wahrscheinlich haben Sie in den vergangenen Monaten mitbekommen, dass Texte inzwischen darauf geprüft werden, ob eine Maschine daran beteiligt war. Manchmal entsteht daraus eine regelrechte Hetzjagd in Medien und Kommentarspalten. Oft ist das daraus entstehende Bild sehr verzerrt. In einem Beruf wie meinem, in dem Worte alles sind, wird diese Frage wahrscheinlich früher oder später gestellt. Also beantworte ich sie hier, so genau, dass Sie sich ein eigenes Bild machen können.

Ich könnte darüber auch schweigen. Niemand verlangt von einer Trauerrednerin, dass sie ihre Arbeitsweise offenlegt, und die meisten meiner Kolleginnen und Kollegen tun es nicht. Für mich fühlt es sich, gerade im Kontext des oft negativen Hype rund um KI, dennoch falsch an. Sie sitzen mir in einer der schwersten Wochen Ihres Lebens gegenüber und erzählen mir von einem Menschen, den Sie geliebt haben. Sie weinen dabei vor einer Frau, die Sie zwei Stunden vorher noch nicht kannten, und manchmal lachen Sie mittendrin und erschrecken selbst darüber. Weil Sie mir so viel Vertrauen schenken, will ich nicht ausweichen, wenn diese KI-Frage möglicherweise im Raum steht.

Deshalb sage ich es von mir aus und nicht erst, wenn jemand nachfragt. Wenn ich erst antworten würde, wenn ich unter Druck stehe, würde es nach Rechtfertigung klingen, so richtig meine Antwort auch sein mag. Und ich möchte nicht eines Tages erklären müssen, warum ich geschwiegen habe, während andere über mich geredet haben. Lieber erkläre ich es jetzt, in Ruhe und mit dem Platz, den es braucht.

Und die KI-Frage steht vielleicht im Raum. Nur wird sie meistens nicht mir gestellt, sondern später, auf dem Rückweg von der
Trauerfeier im Auto, oder abends am Telefon zwischen zwei Geschwistern. War das eben echt? Hat sie das selbst geschrieben? Ich möchte, dass Sie in diesem Moment eine Antwort haben. Sie tragen ohnehin genug, dieser Zweifel soll nicht auch noch dazukommen.

Dafür muss ich Ihnen den ganzen Weg zeigen, von den Stunden bei Ihnen im Gespräch am Tisch bis zu dem Zeitpunkt, an dem der erste Satz auf meinem Bildschirm steht. Erst dann können Sie sehen, wo eine Maschine beteiligt ist und wo nicht. Also fange ich am Anfang an.


Inhalte


  1. Was nach einem Trauergespräch in meiner Tasche liegt
  2. Wobei ich mir Hilfe hole
  3. Was mit Ihren Notizen geschieht
  4. Nachrichten von Textern
  5. Was Redengeneratoren anders machen
  6. Was kein Programm hören kann
  7. Ein Selbstversuch mit einem KI-Detektor
  8. Ein Werkzeug unter vielen
  9. Wofür ich geradestehe

 Was nach einem Trauergespräch in meiner Tasche liegt


Ein Trauergespräch dauert bei mir irgendwo zwischen zwei und vier Stunden. Wir sitzen am Küchentisch oder im Wohnzimmer, oft zu dritt oder zu viert, es gibt Kaffee und Wasser, und irgendwann steht vielleicht ein Schuhkarton mit Fotos auf dem Tisch, oder ein Album, dazu manchmal eine Schachtel mit Briefen. Oft wird auf Handys nach Fotos gescrollt. Zu Beginn sind fast alle Angehörigen angespannt. Viele haben Sorge, vor einer fremden Frau die Fassung zu verlieren, und sagen mir das auch. Nach spätestens einer halben Stunde denkt daran niemand mehr. Ich frage mich durch ein ganzes Leben, von der Kindheit bis zum letzten Sommer, und irgendwann kommt der Moment, in dem jemand etwas erzählt, das die anderen am Tisch noch nie gehört haben. Dann wird es für ein paar Sekunden ruhig, und alle sehen den an, der gerade gesprochen hat. Es kommen vielleicht Fragen, manchmal folgt eine Diskussion. Längst vergessene Erinnerungen sind auf einmal wieder da.


Diese Stunden sind mehr als das Sammeln von Material. Sie sind bereits Trauerbegleitung, auch wenn sie im Kalender anders heißen. Wenn jemand mir sagt, er könne nicht weinen, und sich dafür schämt, spreche ich darüber, dass Trauer bei jedem Menschen anders aussieht und dass Tränen kein Maßstab dafür sind, wie sehr jemand geliebt hat. Wenn eine Tochter erzählt, ihre Umgebung erwarte, dass sie nach vier Wochen wieder funktioniert, sage ich ihr, dass sie diese Erwartung nicht erfüllen muss. Ich erkläre, dass Trauer in Wellen kommt, dass sie Monate später noch einmal von vorne beginnen kann und dass einen guten Tag zu erleben kein Verrat ist. Vieles davon hat mit der Trauerrede nichts zu tun, und trotzdem gehört es dazu. Für mich ist das vielleicht das Wichtigste, das ich tue.

Im Laufe dieses Gesprächs ist deshalb etwas entstanden, das über einen Auftrag hinausgeht. Ich kenne Ihre Familie ein Stück weit, Sie kennen mich, und einige Angehörige melden sich später noch einmal, manche nach Monaten.
Ich schreibe die Lebensrede, und ich begleite die Menschen, die zurückbleiben. Beides gehört bei mir zusammen.

Wenn ich danach aufstehe, liegen rund zwanzig Seiten handschriftliche Notizen in meiner Tasche. Meine Schrift wird in dieser Zeit schnell und krakelig, weil ich nichts verlieren möchte. Kein Satz soll mir durchgehen, kein Spitzname, keine Wendung, die nur in dieser Familie benutzt wird. Am Rand stehen Sternchen, Pfeile und Klammern, damit ich später weiß, wer was erzählt hat und was zusammengehört.

Dazu kommt, was Sie selbst aufgeschrieben haben. Sehr oft bekomme ich am Ende noch Zettel in die Hand gedrückt, und die stammen von verschiedenen Menschen. Ein Sohn hat sich Stichworte gemacht, eine Schwester hat abends eine ganze Seite geschrieben, eine Enkelin hat drei Sätze auf einen Notizblock gekritzelt, weil sie beim Gespräch nicht dabei sein konnte. Manchmal ist es erheblich mehr. Einmal habe ich zehn handbeschriebene Seiten von der Tochter bekommen, fünf vom Sohn und noch einmal zehn von den Enkelkindern.

Ich weiß, was so etwas kostet. Da setzt sich jemand zwischen Behördengängen, Telefonaten und Nächten, in denen der Schlaf nicht kommt, noch einmal an den Tisch und schreibt über den eigenen Vater, für eine Frau, die er kaum kennt. Wenn ich solche Blätter bekomme, halte ich sie einen Moment in der Hand, bevor ich sie einstecke.

Auf diesen Blättern stehen fast nie Namen, Adressen oder genaue Daten. Manchmal eine Jahreszahl, mehr nicht. Dort steht, wie jemand war und was er getan hat. Die endlosen Wanderungen im Pfälzerwald zum Beispiel, bei denen die Belohnung für Kinder und Enkel das Einkehren in einer Hütte war, wo es immer etwas Gutes zu essen gab. Oder dass sie grundsätzlich zu spät kam und die Familie das längst eingeplant hatte, indem sie ihr eine Uhrzeit nannte, die mindestens eine halbe Stunde vor der richtigen lag. Die legendären "Oma-Schnitzel". Wie Opa das Auto mit Omas Strumpf auf der ersten Italienreise repariert hat. Anekdoten, Eindrücke, gemeinsam Erlebtes. Die Namen und die Jahreszahlen bekomme ich im Gespräch und schreibe sie selbst mit.

Diese Blätter sind kostbar, weil in ihnen steht, was jemand für wichtig genug hielt, um es aufzuschreiben. Und sie zeigen mir etwas, das am Tisch nicht immer zur Sprache kommt: dass jeder Mensch in dieser Familie einen anderen Verstorbenen kennt.
Die Tochter erinnert sich an einen anderen Vater als der Sohn, und beide an einen anderen als die Enkel.

Und dann ist da alles, was auf keinem Blatt steht. Wer permanent mitschreibt, hört anders zu, und ich entscheide mich in diesen Stunden immer für das Zuhören. Ich möchte Ihnen ins Gesicht sehen, wenn Sie von Ihrem Vater erzählen, und nicht auf mein Papier. Vieles trage ich deshalb nur im Kopf aus dem Haus, und das ist oft das Wichtigste: wie Ihre Stimme klang bei diesem einen Satz, an welcher Stelle Ihre Schwester dazwischengegangen ist, wo gelacht wurde und wer dabei weggeschaut hat.

Auf dem Rückweg kommt noch etwas dazu. Ob ich im Auto sitze oder in der Straßenbahn, spielt dabei keine Rolle. Ich fahre nicht neutral nach Hause. Der Mensch, von dem Sie mir erzählt haben, fährt mit, und in dieser Zeit ordnet sich vieles von allein. Sätze von vorhin tauchen wieder auf, Zusammenhänge werden sichtbar, die mir am Tisch noch nicht aufgefallen sind, und manchmal weiß ich schon vor meiner Haustür, welcher Satz später ganz vorne stehen wird.

Das alles habe ich dabei, wenn ich den Schlüssel ins Schloss stecke. Vier Quellen, und keine davon ist geordnet. Hier beginnt der Teil, bei dem ich Hilfe annehme. Ein nützliches Werkzeug einsetze.

Wobei ich mir Hilfe hole


Zu Hause fahre ich als Erstes den Laptop hoch. Das mache ich am selben Tag, auch wenn es spät geworden ist, denn am nächsten Morgen ist vieles schon blasser. Der Tonfall verblasst zuerst. Meine Eindrücke will ich nicht durch neue verfälschen. Deswegen spreche ich auch wenig, wenn ich nach Hause komme. Meine Familie weiß das und geht mir quasi aus dem Weg.

Dann diktiere ich, und zwar alles. Ich lese meine eigenen Notizen ab, Seite für Seite, und ergänze im selben Atemzug die Gedanken, die dazugehören und die nirgends stehen. Beim Sprechen fällt mir regelmäßig noch etwas ein, das mir seit dem Gespräch nachgeht, und das kommt gleich mit dazu. Vieles ist nicht im richtigen Zusammenhang, manches wiederhole ich, ohne es zu merken. So entsteht ein augenscheinlich sinnfreies Kunterbunt. Ihre Blätter fließen ebenfalls ein. Sind es nur ein paar Sätze, lese ich sie mit vor. Liegen dort fünfzehn oder zwanzig handbeschriebene Seiten, scanne ich sie ein, weil ich sonst einen halben Abend nur mit Vorlesen verbringe. Das entscheide ich von Fall zu Fall. Wenn ich fertig bin, ist aus dem Papierstapel und aus allem, was ich im Kopf mitgetragen habe, ein zusammenhängender Text geworden, und in ihm steckt deutlich mehr als in den Notizen. Dieser Text liest sich noch nicht schön. Teile davon sind ein regelrechtes Durcheinander. Sätze die zu lang, zu kurz und dazu noch seltsam formuliert sind. Abgehackte Sätze. Fehlende Übergänge. Und mein persönlicher Feind: Kommata. Alles in allem ist das mehr Wirrwar als lesbarer Text.

Geordnet ist dieser Text auch nicht. Er folgt der Reihenfolge des Gesprächs, springt also zwischen den Jahrzehnten, nimmt Fäden wieder auf, die eine Stunde vorher liegen geblieben sind, und erzählt manches zwei- oder sogar dreimal. Diesen Wust lasse ich von KI sortieren und in eine Reihenfolge bringen, mit der ich arbeiten kann. Das ist die Arbeit, die mir abgenommen wird, und ich gebe zu, dass ich sie nicht vermisse. Es gab Zeiten, in denen ich um 23:00 Uhr am Esstisch saß und Zettel hin und her geschoben habe, während die Trauerrede noch keine einzige Zeile hatte.

Dann fange ich an, die erste Fassung der
Lebensrede zu schreiben. Die Grabrede entsteht Satz für Satz, und diese Sätze sind meine. Manchmal ringe ich um eine Formulierung, weil ich genau weiß, was ich sagen will, und die Worte trotzdem nicht kommen. Das passiert mir vor allem bei den schweren Stellen. Bei einem Bruch, der jahrelang durch eine Familie ging. Bei einer Krankheit, die alles verändert hat. Bei etwas, das in der Trauerrede vorkommen soll und dabei niemanden verletzen darf, der in der ersten Reihe sitzt. An solchen Stellen lasse ich mir zeigen, wie sich das noch fassen ließe, und bekomme drei oder vier Möglichkeiten, so wie ich früher im Internet nach Anregungen gesucht, verschiedene Ideen gewälzt oder jemanden angerufen hätte. Was ich davon übernehme, entscheide ich, und oft übernehme ich nichts, sondern merke beim Lesen der Vorschläge, was ich eigentlich sagen will.

Ähnlich geht es mir mit Übergängen. Zwei Absätze stehen fertig da, beide stimmen, und dazwischen fehlt der eine Satz, der sie verbindet. An solchen Stellen kann ich eine halbe Stunde festhängen, und dann hole ich mir Hilfe, statt Stunden daran zu verlieren. Manchmal lasse ich auch zwischendurch sortieren, weil ein Absatz an zwei oder drei Stellen passen würde und das Vergleichen schneller geht als das Ausprobieren von Hand.


Nachdem ich die erste Fassung der Trauerrede geschrieben habe, mache ich eine Pause. Mindestens mehrere Stunden, wenn die Zeit es erlaubt, schlafe ich eine Nacht darüber. Dann überarbeite ich den Text noch einmal mit frischem Blick. Ich passe an, schreibe um, kürze, formuliere neu, kürze wieder. Denn diese erste Fassung der Rede enthält alles, sie ist immer zu lang.

Dazu kommt das, was früher ein Lektorat gemacht hat, und das brauche ich nicht nur am Schluss. Ich lasse den Text auch zwischendurch ansehen. Habe ich dasselbe Wort dreimal auf einer Seite benutzt? Gibt es dafür ein besseres? Ist diese Formulierung zu gestelzt oder zu holprig? Erzähle ich etwas zum zweiten Mal, ohne es zu bemerken? Wo stolpert ein Satz beim lauten Lesen? Nach mehreren Stunden am selben Text sehe ich das selbst nicht mehr, und so geht es jedem Menschen, der schreibt.


Dann mache ich wieder eine Pause. Mindestens mehrere Stunden, am liebsten schlafe ich noch einmal darüber. Am Ende gehe ich dann noch einmal von vorne durch. In keiner Trauerrede, die ich halte, steht ein Wort, das ich nicht geprüft und für richtig befunden habe. Das ist der Kern, und daran ändert kein Werkzeug etwas.

Eines gebe ich dabei nicht heraus, und das sind Ihre Namen. Ihre Geschichte gehört Ihnen, und sie soll nirgendwo landen, wo sie sich Ihnen zuordnen lässt. Wenn ich diktiere, spreche ich deshalb keinen Nachnamen aus, keine Adresse, kein Geburtsdatum, keinen Ort. Aus Ihrem Vater wird der Vater, aus Ihrer Schwester die Schwester. Bei den eingescannten Blättern kommt mir entgegen, dass dort ohnehin kaum Namen stehen, und wo doch einer auftaucht, schwärze ich ihn vorher. Die Erinnerungen bleiben also, was sie sind, nur gehören sie in diesem Moment niemandem mehr.

Die Namen setze ich ganz zum Schluss ein, wenn die
Trauerrede fertig ist und kein Absatz mehr in ein Programm geht. Erst an diesem Punkt wird aus dem Vater wieder Ihr Vater, mit seinem Namen, so wie ihn alle kennen, die später in der Halle sitzen. Das ist die letzte Überarbeitung vor dem Ausdrucken, und für mich der letzte, sehr wichtige, Schliff.

Was dabei selten jemand mitdenkt: Diese Werkzeuge gut zu nutzen, ist selbst Arbeit. Ein Programm weiß nichts über die Familie, mit der ich am Montag am Tisch saß. Es weiß nicht, dass der Verstorbene mit seiner Tochter jahrelang keinen Kontakt hatte und dass dieser Bruch in der Lebensrede vorkommen soll, aber
in einem einzigen Satz und ohne Schuldzuweisung. All das muss ich einspeisen, präzise, in ganzen Sätzen, und danach das Ergebnis prüfen, korrigieren und meistens neu schreiben. Wer glaubt, dass da vorne etwas hineingeht und hinten eine Trauerrede herauskommt, hat es nie versucht. Der Aufwand verschiebt sich, verändert sich, er verschwindet nicht.

Bleibt die Frage, wo Ihre Geschichten in dieser Zeit eigentlich liegen.

Was mit Ihren Notizen geschieht


Um die Trauerrede selbst mache ich dabei kein Geheimnis, denn sie ist keines. Sie wird bei der Trauerfeier laut in einen Raum gesprochen, zu dem jeder Mensch kommen kann, und danach bekommen Sie sie. Vertraulich ist etwas anderes, nämlich das, was Sie mir am Tisch erzählt haben und was in der Lebensrede bewusst nicht vorkommt. Darum geht es hier.

Die Seiten, die ich bei Ihnen vollschreibe, enthalten sehr viel mehr als die Rede. Sie zerreiße ich, in kleine Schnipsel, sobald die Feier vorüber ist, und die wandern in die Papiertonne. Genauso halte ich es mit den Blättern, die Sie mir mitgegeben haben, und die eingescannten Dateien lösche ich. Es gibt kein Archiv vergangener Familien bei mir, aus dem sich später etwas herausziehen ließe.

Was ich diktiert habe und die einzelnen Absätze, an denen ich unterwegs gearbeitet habe, liegen anonymisiert in dem Programm, mit dem ich schreibe. Ohne Nachnamen, ohne Orte, ohne Daten. Erinnerungen ohne Etikett. Die fertige Rede war dort als Ganzes nie.

Bleibt die Trauerrede, und die behalte ich. Weitergegeben habe ich sie nur in einem einzigen Zusammenhang. Wenn ich mit einem
Bestattungsinstitut zusammenarbeiten möchte, das mich noch nicht kennt, will es oft vorher Arbeitsproben sehen. Das verstehe ich gut. Ein Bestattungshaus empfiehlt mich an Familien weiter und steht mit seinem Namen dafür ein, dass die Trauerfeier gelingt. Was ich dafür herausgebe, ist anonymisiert, aus den echten Namen werden andere oder schlicht Herr Mustermann und Frau Musterfrau. Zu sehen ist dann die Machart einer Trauerrede, und genau darum geht es dabei.

Sie bekommen die Lebensrede nach der
Trauerfeier als PDF, oder mit der Post, falls Sie keine E-Mail-Adresse haben. Meine eigene Fassung behalte ich, und das hat einen Grund, der Ihnen zugutekommt. Es ist vorgekommen, dass eine Datei beschädigt wurde, und es ist vorgekommen, dass eine mit der Post verschickte Rede in Papierform den Kampf mit dem verschütteten Kaffee verlor. Solange die Trauerrede bei mir liegt, kann ich sie Ihnen noch einmal schicken, auch in zwei Jahren, wenn Ihre Festplatte ausfällt oder die Blätter bei einem Umzug verschwinden. Würde ich sie löschen, wäre sie endgültig weg, und dann könnte ich nichts mehr für Sie tun. Melden Sie sich einfach, wenn Sie sie noch einmal brauchen.

Warum ich Ihnen das alles so ausführlich erzähle, hat mit zwei Entwicklungen zu tun, die mich beschäftigen. Die erste hat mit Technik überhaupt nichts zu tun.

Nachrichten von Textern


Wenn Sie mir gegenübersitzen und von Ihrer Mutter erzählen, gehen Sie vermutlich davon aus, dass ich es bin, die daraus später die Trauerrede macht. Diese Annahme liegt so nahe, dass kaum jemand sie ausspricht. Ich möchte Ihnen erzählen, warum ich sie inzwischen für weniger selbstverständlich halte, als sie klingt.

In meinem Postfach landen in schöner Regelmäßigkeit Nachrichten von Texterinnen und Textern, meistens über LinkedIn. Sie bieten an, meine
Trauerreden zu schreiben. Nicht als Aushilfe für einen einzelnen Fall, sondern auf Dauer.

Ein, immer wieder vorkommender, Satz, der mir dabei am meisten zu denken gibt, lautet sinngemäß: "Sie halten die Trauerrede ja nur, irgendjemand muss sie doch schreiben". Darin steckt ein ganzes Berufsbild. Halten und Schreiben einer Grabrede erscheinen als zwei getrennte Vorgänge, und das Schreiben gilt als der Teil, den frau abgeben kann, um ihre Zeit "sinnvoller" einzusetzen.

Am meisten beschäftigt und ärgert mich die Beiläufigkeit dieser Angebote. Es fragt niemand vorsichtig an, ob so etwas für mich überhaupt in Betracht käme. Die Nachrichten kommen im Tonfall einer Anfrage zu Büromaterial, als etwas normales und alltägliches, und so schreibt nur, wer damit Erfahrung hat. Daraus ziehe ich meinen Schluss: Ein Teil meiner Branche nimmt solche Angebote an. Belegen kann ich das nicht, es ist die Häufigkeit dieser Nachrichten, die für sich spricht.

Einmal wurde mir als Empfehlung mitgegeben, die Person habe in genau diesem Feld bereits Erfahrung. Trauerreden also, verfasst für andere Rednerinnen und Redner, von einem Menschen, der die Familie nie gesehen hat und den Verstorbenen aus einer Handvoll Stichpunkte kennt. Vorgetragen wird das dann in einer Halle, in der dreißig Leute sitzen, die diesen Mann ihr Leben lang gekannt haben.
Eine Trauerrede als Lebenlauf, beliebig und austauschbar.

Deshalb mein Rat, und der gilt auch, wenn Sie sich am Ende für jemand anderen entscheiden als für mich: Fragen Sie danach. Wer eine Trauerrednerin beauftragt, sollte wissen, wessen Sätze am Grab gesprochen werden.

Damit bin ich bei der zweiten Entwicklung. Inzwischen braucht es für diesen Weg nicht einmal mehr eine Texterin.

Was Redengeneratoren anders machen


Es gibt inzwischen KI-Programme, die aus ein paar Stichpunkten eine vollständige Trauerrede erzeugen. Name, Geburtsjahr, Beruf, drei Eigenschaften, zwei Hobbys, fertig ist der Text in zwei Minuten, maximal fünf.

Auch die Rednerinnen und Redner, die so arbeiten,
sitzen bei der Familie am Tisch. Sie hören dieselben Geschichten, sie sehen dieselben Fotos, und die meisten von ihnen meinen es gut. "Erspart" bleibt ihnen das, was danach kommt: die acht bis zwölf Stunden, in denen aus zwanzig Seiten Notizen ein Text wird, der zu diesem einen Menschen gehört und zu keinem anderen.

Wie sich das anhört, wissen Sie vielleicht aus eigener Erfahrung. Sie sitzen in der ersten Reihe, vorne spricht jemand über Ihre Mutter, alles stimmt, das Geburtsjahr, der Beruf, das Hochzeitsdatum, die drei Kinder, die vier Enkel, und trotzdem sitzen Sie da und denken: Das ist sie nicht. Freundlich ist die Grabrede, gut gebaut auch, aber mit ein paar ausgetauschten Namen würde sie ebenso zu der
Trauerfeier von letzter Woche passen. Sie beschreibt einen Menschen von außen, so wie ein Nachruf in der Zeitung. Neutral und unbeteiligt.

Die Sätze, an denen eine Familie hängen bleibt, entstehen woanders. Sie entstehen in den Stunden, wenn jemand mit dem Material ringt und sich fragt, ob das Wort treuherzig, mit dem der Sohn ihn immer wieder beschrieben hat, wirklich in der Trauerrede zu diesem Mann passt oder ob es ihn kleiner macht, als er war. Ob die Sache mit dem Streit hineingehört, und wenn ja, in welchem Ton. Ob dieser eine Satz der Tochter am Anfang stehen soll oder ganz am Schluss, wo er länger nachhallt.

Genau dafür beauftragen Sie eine freie Trauerrednerin. In diesen Stunden entscheidet sich, ob am Ende ein würdiger Lebenslauf verlesen wird oder ob Ihre Familie in der Halle sitzt und denkt: Ja, so war sie. Genau so. Und dieser Unterschied hat wenig mit Technik zu tun. Er hat mit der Zeit zu tun, die jemand bereit ist, für Ihre Mutter aufzubringen.

Was kein Programm hören kann


Aus mehreren Stunden Gespräch bleibt ein Satz, der ganz vorne stehen muss. Nur einer. Er steht selten am Anfang, oft fällt er nebenbei nach anderthalb Stunden, wenn die Anspannung nachgelassen hat und jemand aus Versehen ehrlich wird. Manchmal bemerkt die Person selbst gar nicht, was sie gerade gesagt hat, und redet schon weiter. Ich sehe in diesem Moment kurz auf, und dann weiß ich es. Diesen Satz zu erkennen, ist meine Arbeit. Kein Programm findet ihn, weil kein Programm dabei war, als er fiel.

Ebenso wenig hört ein Programm, dass jemand bei einer bestimmten Jahreszahl aufhört zu sprechen. Nicht lange, vielleicht zwei Sekunden, und dann geht es weiter mit etwas anderem.
In diesen zwei Sekunden liegt manchmal die ganze Geschichte einer Familie. Ich schreibe dann nichts mit, und ich frage auch nicht nach. Ich lasse die Pause stehen, weil sie jemandem gehört, und merke sie mir. Später, beim Schreiben, überlege ich, ob dieser Bruch in die Rede gehört oder ob er am Küchentisch bleibt.

Damit sind wir bei dem, was mir am meisten bedeutet.
Es gibt Dinge, die auf einer Trauerfeier gesagt werden, und es gibt Dinge, die zwischen uns bleiben. Wo diese Grenze verläuft, entscheiden zuerst Sie und danach ich. Deshalb erzählen Familien mir Dinge, die sie sonst niemandem erzählen, und deshalb hören diese Gespräche manchmal für zehn Minuten auf, Gespräche zu sein. Eine Maschine kann diese Grenze nicht ziehen, weil es ihr egal ist, weil sie für nichts davon geradestehen muss. Bei mir ist das anders. Ich bin verantwortlich für die Lebensrede, die ich halte. Ich stehe bei der nächsten Trauerfeier wieder vorne und schaue in die Gesichter von Menschen, die mir vertraut haben. Dieses Vertrauen nicht zu enttäuschen, sehe ich als eine persönliche Verpflichtung.

Bleibt die Frage, warum ich das alles aufschreibe, statt es einfach machen zu lassen.

Ein Selbstversuch mit einem KI-Detektor


Es gibt inzwischen mehrere Programme, die Texte darauf prüfen sollen, ob eine Maschine daran beteiligt war. Eingesetzt werden sie an Schulen, in Redaktionen und in Bewerbungsverfahren. Ich wollte wissen, was eines der bekannteren davon taugt, und habe einen Versuch gemacht.

Ich habe alte Texte von mir genommen, geschrieben lange vor der Zeit, in der es diese Technik überhaupt gab. Eigene Sätze, an einem Rechner getippt, den ich längst nicht mehr habe. Fast alle kamen mit einem Ergebnis von hundert Prozent zurück, also mit der Auskunft, sie seien vollständig von einer Maschine geschrieben. Manche lagen bei siebzig oder achtzig Prozent. Kein einziger wurde als das erkannt, was er ist, nämlich mein Text. Von mir geschrieben. Ganz ohne Maschine.

Das hat mich mehr getroffen, als ich erwartet hatte. Da sitzt frau vor einem Bildschirm, auf dem steht, dass die eigenen Sätze nicht die eigenen seien, Sätze, an die frau sich erinnert, weil sie beim Schreiben schwerfielen. Und es sagt etwas über diese Werkzeuge.
Sie messen keine Herkunft, sie messen Regelmäßigkeit. Wer sauber gliedert, in ganzen Sätzen schreibt und einen Text vor dem Absenden noch einmal glättet, sieht für ein solches Programm nach Maschine aus. Getroffen werden also ausgerechnet die Menschen, die sich Mühe geben.

Dazu kommt, dass sich so ein Urteil kaum widerlegen lässt. Wie soll jemand beweisen, dass er einen Text selbst geschrieben hat? Ein Verdacht ist schnell ausgesprochen und bleibt dann hängen, auch wenn ihn niemand mehr wiederholt.

Inzwischen gibt es auch die Gegenrichtung, und die habe ich mir angesehen. Und auch ausprobiert. Es existieren Programme, die einen von einer Maschine geschriebenen Text so bearbeiten, dass er anschließend als menschlich durchgeht. Humanizer werden sie genannt. Was sie verändern, ist bemerkenswert wenig. Sie variieren die Satzlängen, tauschen Wörter gegen Synonyme, stellen Sätze um, entfernen typische Übergänge wie „Zusammenfassend lässt sich sagen" und bauen hier und da eine kleine Unregelmäßigkeit ein. Die Aussage bleibt, die Argumentation bleibt, die Reihenfolge der Gedanken bleibt. Was sich ändert, sind die Messwerte, auf die ein Detektor schaut. So wird aus einem maschinell erstellten Text ein "menschlicher".


Vereinfacht gesagt: Der Text wird nicht unbedingt „besser“ oder menschlicher im literarischen Sinn. Er wird so umgebaut, dass bestimmte Messwerte weniger typisch für einen Sprachmodell-Output aussehen.

Wie gut das funktioniert, ist untersucht worden. In einer Arbeit zum automatischen Umformulieren blieb die Bedeutung eines Textes zu über neunzig Prozent gleich, während die Trefferquote der Erkennung einbrach, in einem Fall von knapp siebzig Prozent auf unter fünf. Ein Text, der vollständig aus einem Programm stammt, kann also nach einer Viertelstunde Bearbeitung als menschlich geschrieben gelten.

Damit stehen beide Richtungen offen. Meine eigenen alten Texte werden als Maschine eingestuft, und ein Maschinentext kann als meiner durchgehen. Selbst OpenAI hat das eigene Erkennungsprogramm 2023 wieder abgeschaltet, weil es nur etwa ein Viertel der KI-Texte richtig erkannte und dabei auch menschliche Texte falsch markierte.

Was heißt das für Sie? Eine Prozentzahl beweist nichts über die Urheberschaft. Ein Detektor berechnet sprachliche Wahrscheinlichkeiten, und ein Humanizer verschiebt genau diese Wahrscheinlichkeiten, ohne den Inhalt anzurühren. Was etwas beweist, ist der Weg, auf dem ein Text entstanden ist. Die zwanzig Seiten Notizen. Die Stunden im Gespräch am Küchentisch mit Ihnen. Die Frau, die vorne steht und auf jede Frage zu jedem Satz eine Antwort geben kann. Deshalb habe ich Ihnen diesen Weg hier aufgeschrieben, anstatt mich später möglicherweise gegen eine Zahl zu verteidigen.

Ein Werkzeug unter vielen


Manchmal frage ich mich, warum ausgerechnet diese Technologie so viel Empörung auslöst.


Neue Technik gab es beim Schreiben immer, und der Streit darüber ist so alt wie die Technik selbst. Als der Buchdruck aufkam, verloren die Schreibstuben ihre Arbeit, in denen Mönche jahrelang an einem einzigen Band gesessen hatten. Der Abt Johannes Trithemius schrieb 1492 eine Lobschrift auf die Handschrift, „De laude scriptorum manualium", in der er beklagte, gedruckte Bücher seien seelenlos und hielten nicht lange. Zwei Jahre später ließ er sie drucken, denn anders hätte sie kaum jemand gelesen. Was danach geschah, ist bekannt. Bücher wurden bezahlbar, und Lesen blieb nicht länger den Klöstern und den Wohlhabenden vorbehalten.


Später kam die Schreibmaschine, und Texte wurden nicht mehr mit der Hand geschrieben. Es entstanden mehr Bücher und mehr Artikel, weil es schneller ging, und niemand musste mehr fremde Handschriften entziffern. Dann kamen die ersten Rechner und mit ihnen die Textverarbeitung. Vorher bedeutete ein Tippfehler auf Seite neun, dass Seite neun noch einmal geschrieben werden musste, oft mit Durchschlag, denn TippEx war verpönt (auch wenn es praktisch war). Danach genügte eine Taste. Absätze ließen sich verschieben, ohne die halbe Arbeit zu wiederholen, die Rechtschreibprüfung vermied das erneute Tippen der Seiten 3, 5 und 9, und ein Text ließ sich ausdrucken, so oft es nötig war.


Dann kamen E-Mails. Ein Brief, der vorher tagelang durch die Post ging, war in derselben Sekunde beim Empfänger. Rechtschreibprüfungen ersetzten das Wörterbuch im Regal, Suchmaschinen ersparten die Fahrt in die Bibliothek, und wer eine Jahreszahl nachschlagen wollte, brauchte dafür keinen Nachmittag mehr. Jede dieser Erfindungen hat das Schreiben leichter gemacht.


Ganz ohne Widerspruch ging das allerdings nicht, und der damalige Einwand ist heute wieder zu hören. Gegen die Schreibmaschine wurde vorgebracht, ein getippter Brief sei unpersönlich, kalt und geschäftsmäßig. Wer etwas ernst meine, hieß es, schreibe mit der Hand. Dieser Einwand war nicht falsch. Er galt nur nicht für alles.


Denn was tatsächlich geschehen ist, finde ich aufschlussreich. Die Handschrift ist genau dort geblieben, wo sie hingehört. Kondolenzkarten werden bis heute mit der Hand geschrieben, und niemand käme auf die Idee, einer trauernden Familie eine getippte Karte zu schicken. Der Geschäftsbrief dagegen wurde getippt, und geschadet hat das niemandem. Die Technik hat sich den mechanischen Teil genommen und den persönlichen dort gelassen, wo er hingehört.


Genau so sehe ich es heute. Ein Programm sortiert mir zwanzig Seiten Notizen und viele Gedanken. Schafft Ordnung im Wirrwarr. Die Grabrede für Ihren Vater schreibt es nicht, und es soll sie auch nicht schreiben. Eine Schreibmaschine hat nie entschieden, welcher Satz am Anfang steht, und eine Rechtschreibprüfung hat nie gewusst, ob ein Wort zu einem bestimmten Menschen passt. Diese Linie liegt heute an derselben Stelle wie vor vierzig Jahren. Bei mir!


Über den Schrott, der derzeit massenhaft erzeugt wird, rede ich dabei nicht. Texte ohne wirklichen Inhalt, ohne Haltung, sinnfreies Geschwafel, ohne jemanden, die dafür einsteht, davon will niemand mehr lesen, und ich am wenigsten.


Und es gibt einen Bereich, in dem ich diese Technologie rundheraus ablehne. Grief Tech nennt sich das: Angebote, die aus Fotos, Sprachnachrichten, Chatverläufen und Videos einen KI-Avatar eines verstorbenen Menschen bauen, damit Angehörige weiter mit ihm sprechen können. Was das im Trauerprozess anrichtet, habe ich in einer eigenen Reihe auf dieser Website beschrieben. Dort wird kein Hilfsmittel angeboten. Dort wird versucht, einen Menschen zu ersetzen, und das ist etwas grundlegend anderes als eine Sortierhilfe für meine Notizen.


Was mich beschäftigt, und ärgert, ist die pauschale Verurteilung, die all das in denselben Topf wirft. Sie trifft am Ende auch Menschen, die sorgfältig arbeiten und ein Werkzeug benutzen, um mehr Zeit für den Teil zu haben, auf den es ankommt.


Bei mir ist dieser Teil die Zeit mit Ihnen und die Zeit an Ihrer Trauerrede.


Was mir dabei abgenommen wird, ist mehr als Papierkram, und ich will es nicht kleiner machen, als es ist. Es ist das Sortieren von zwanzig Seiten um 23:00 Uhr. Es ist ein Vorschlag, wenn ich an einer schweren Stelle seit einer halben Stunde feststecke. Es ist der Blick von außen auf einen Absatz, den ich längst zu oft gelesen habe. Das ist echte Hilfe, und sie spart mir Stunden. Sie ersetzt nur nichts von dem, was an Ihrem Küchentisch geschieht, und sie trifft keine einzige Entscheidung darüber, was über Ihren Mann gesagt wird.

Wofür ich geradestehe


Die Stunden, die ich mit Ihnen verbringe, nimmt mir kein Werkzeug ab. Am Tisch sitze ich, zugehört habe ich, und jede Entscheidung darüber, was in der Lebensrede steht und in welchen Worten, treffe ich. Abgenommen wird mir das Sortieren von zwanzig Seiten "Sauklaue", ein Vorschlag, wenn ich an einer schweren Stelle nicht weiterkomme, ein Umbau eines holprigen Satzes, ein Teil der Rechtschreibprüfung und das korrekte Setzen von meiner besonderen Schwachstelle, Kommata. Das ist alles.

Die Trauerrede bleibt meine Arbeit. Ich stehe damit vorne, ich spreche sie in einen Raum voller Menschen, die diesen Verstorbenen gekannt haben, und wenn hinterher jemand zu mir kommt und fragt, warum ein bestimmter Satz so und nicht anders gefallen ist, kann ich es ihm sagen. Wobei mich das noch nie jemand gefragt hat. J
ede Trauerrede, die ich schreibe, gibt es genau einmal. Ich verwende nichts wieder, es gibt keine Vorlagen und keine Bausteine, aus denen ich für die nächste Familie etwas zusammensetze. Ihre Frau bekommt keine Grabrede, die vorher jemand anderem gehört hat.

Wenn Sie das interessiert oder wenn es Sie beunruhigt, fragen Sie mich einfach danach. Mir ist das lieber, als dass Sie mir gegenübersitzen und sich im Kopf fragen, wer diesen Text wohl schreiben wird, während wir über Ihren Vater sprechen. Rufen Sie an, schreiben Sie mir, oder sprechen Sie mich beim Gespräch darauf an. Ich antworte Ihnen so, wie es hier steht.

Als freie Trauerrednerin und Trauerbegleiterin in der Metropolregion Rhein-Neckar begleite ich Familien in Wochen, in denen alles zu viel ist. In solchen Tagen sollten Sie sich mit dieser
Frage nicht auch noch beschäftigen müssen. Deshalb habe ich sie hier für Sie beantwortet.


Quellen


Untersuchung zum automatischen Umformulieren und zur Erkennungsleistung von KI-Detektoren, Computers, Materials and Continua.


Zur Einstellung des OpenAI-Klassifikators für KI-Texte wegen zu geringer Genauigkeit.


Johannes Trithemius, De laude scriptorum, Mainz 1494, Digitalisat der Universitätsbibliothek Heidelberg

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