Eine Trauerrede für einen Freund oder eine Freundin

Patricia Rind

Wenn Freunde am Tisch sitzen

Gläser mit goldgelbem Wein auf einem Tisch, dahinter ein bunter Schal und ein Blumenstrauß

Die Nachricht kam an einem Dienstagabend, von ihrer Schwester, drei Sätze auf dem Handy. 30 Jahre Freundschaft, und jetzt drei Sätze. Seitdem weinen Sie, das Handy liegt neben Ihnen, und Sie wissen nicht, ob ein Anruf bei der Familie okay wäre oder gerade stört. Irgendwann tippen Sie in die Suche: Trauerrede für eine Freundin.

Sie war meine beste Freundin. Aber ich bin ja nicht die Familie.

Ihre Trauer ist nicht kleiner, weil kein Stammbaum Sie mit ihr verbindet. Und Sie müssen sich dafür nicht rechtfertigen.

Normalerweise sitzt nach einem Todesfall die Familie mit mir am Tisch. Eine Ehefrau und die Kinder, manchmal drei Generationen auf einmal, vor jedem eine Tasse Kaffee, und irgendwann fängt die Erste an zu erzählen. Die Freundinnen und Freunde hören die Details meistens zum ersten Mal in der Trauerhalle wenn ich die Trauerrede halte.

Manchmal ist das bei mir anders. Einmal gab es keine Familie mehr, nur ein Patenkind, und am Tisch saßen die drei besten Freundinnen und Freunde des Verstorbenen. Ein anderes Mal kam der Freundeskreis in bunten Kleidern zur Trauerfeier und hat sich tapfer einen süßen Wein reingewürgt, den außer ihr niemand mochte.

Und wo ist Ihr Platz? Vielleicht mit am Tisch. Das entscheidet die Familie, wenn sie mich beauftragt, denn es ist ihr Abschied und ihre Zeit mit mir. Ist es in Ordnung zu fragen, ob Sie dabei sein können? Absolut! Fragen Sie behutsam, ob Sie dabei sein können, und lassen Sie der Familie Zeit mit der Antwort. Sagt sie ja, sind Sie mir herzlich willkommen. Sagt sie nein, erzählen Sie Ihre Geschichten jemandem, der im Gespräch dabei ist. Dann kommen Sie trotzdem bei mir an.


Inhalte


  1. Wenn Freunde die Familie waren
  2. Bunte Kleider und ein süßer Wein
  3. In der zweiten Reihe
  4. 5 oder 6 Stühle am Tisch
  5. Was Sie mir von Ihrer Freundin erzählen
  6. Wenn Sie selbst etwas sagen möchten
  7. Warum es bei mir keine Muster gibt
  8. Wenn alle nach Hause gegangen sind

  Wenn Freunde die Familie waren


Wir waren seine Familie. Nur steht das auf keinem Formular.

Für die
Trauerrede brauche ich auch kein Formular. Ich brauche Menschen, die ihn gekannt haben.

Bei dieser
Trauerfeier gab es keine Familie mehr. Geblieben war ein Patenkind, und das Patenkind hat mich angerufen. Zum Trauergespräch kam es nicht allein. Mit am Tisch saßen die drei besten Freundinnen und Freunde des Verstorbenen.

Am Anfang sitzen alle ein bisschen steif da, die Hände um die Tasse. Lange hält das bei mir nicht. Ich habe einen Draht zu Menschen, den ich selbst nicht erklären kann, und nach ein paar Minuten sind wir uns nicht mehr fremd. Dann fing eine der Freundinnen an zu erzählen, die anderen fielen ihr ins Wort, und die Schultern gingen runter. Das Patenkind hörte lange nur zu. Manche Geschichten kannte es gar nicht, sie stammten aus einer Zeit, in der es noch nicht auf der Welt war.

Solche Gespräche mag ich sehr. Da saßen drei Menschen, die er sich über Jahrzehnte selbst ausgesucht hatte, und ein Patenkind, das sich um alles gekümmert hat. Das sagt über einen Menschen mehr als jede Urkunde.

Wie es ist, wenn zu einer Trauerfeier niemand kommt,
habe ich an anderer Stelle erzählt. Hier kamen vier, und alle vier wollten erzählen.

Einen eigenen Beitrag zur Trauerfeier hat von den dreien niemand vorbereitet. Das Patenkind hat ein paar Sätze gesagt, kurz. Die drei anderen saßen da und hörten zu, wie ihre Geschichten in der Trauerrede vorkamen.

Mehr mussten sie nicht tun.

Mehr müssen Sie auch nicht tun.

Bunte Kleidung und ein süßer Wein


Sie hätte nicht gewollt, dass alle in Schwarz dasitzen.

Dann kommen Sie eben in Farbe. Bei dieser
Trauerfeier war bunte Kleidung ausdrücklich erwünscht.

Beauftragt hatte mich die Familie. Gestaltet hat die Trauerfeier dann zu einem großen Teil der Freundeskreis, und der war groß. Im Hintergrund lief eine Slideshow mit Bildern aus ihrem Leben, es gab Musik, und nach meiner
Trauerrede gingen noch einige nach vorne und sprachen selbst. Es war eine richtige Party.

Und dann war da der Wein. Sie hat süßen Wein geliebt. Alle anderen fanden ihn furchtbar. Es gab ihn trotzdem, ihr zu Ehren, und also haben sich alle den Wein reingewürgt, Glas um Glas, mit Gesichtern, die ich nicht vergessen werde.

Das war tatsächlich sehr lustig. Ich habe mitgelacht.

Geweint wurde an diesem Tag trotzdem. Dieselben Menschen, die über den Wein das Gesicht verzogen, standen ein paar Minuten später vor der Slideshow und konnten nicht weitersprechen. Beides gehörte zu ihr.

Wie frei eine Trauerfeier sein kann, habe ich im Beitrag über die
Trauerfeier ohne Regeln aufgeschrieben.

In der zweiten Reihe


Die Beileidskarten gehen an die Familie. Und Sie sitzen in der zweiten Reihe und fragen sich, ob Ihnen so viel Trauer überhaupt zusteht.

Sie steht Ihnen zu. Jede Träne davon.

Die Trauerfeier plant meistens das Bestattungshaus zusammen mit den Angehörigen. Wer dort die Bestattung in Auftrag gibt, entscheidet in der Regel auch über die
Trauerrede. Gibt es eine Familie, ist das die Familie. Gibt es keine mehr, übernimmt es jemand anderes, so wie bei mir das Patenkind. Was dabei rechtlich gilt, kann ich Ihnen nicht sagen. Das weiß das Bestattungshaus besser als ich.

Was ich Ihnen sagen kann: Wenn Sie sich eine freie
Trauerrede wünschen, sagen Sie es der Familie. Entscheiden wird sie, und das ist richtig so. Sie trägt diesen Abschied, auch dann, wenn Sie den Menschen vielleicht besser kannten als mancher Cousin in der ersten Reihe.

5 oder 6 Stühle am Tisch


Aus unserem Freundeskreis wollen bestimmt zwölf Leute mitkommen.

Das ist ein gutes Zeichen. Für einen Tisch ist es zu viel.

5 oder 6 Menschen sind ein gutes Maximum. Bei 10 oder mehr wird es oft schwierig. Am Ende reden drei, und die Freundin, die am meisten weiß, sitzt am Rand und kommt nicht zu Wort, weil sie nicht dazwischenreden mag. Und ich moderiere, anstatt mir Notizen zu machen und Nuancen wahrzunehmen.

Suchen Sie deshalb vorher ein paar Menschen aus, die ihn oder sie aus verschiedenen Zeiten kennen. Die Freundin aus der Schulzeit etwa und den Kollegen aus 20 Jahren im selben Büro. Die anderen können ihnen ihre Geschichten vorher mitgeben, am Telefon oder auf einem Zettel.

Es bleibt bei einem einzigen
Trauergespräch, und eilig ist dabei nichts. Sie müssen sich nicht absprechen, wer was erzählt. Reden Sie ruhig durcheinander. Den Faden finde ich.

Was Sie mir von Ihrer Freundin erzählen


Wo soll ich da überhaupt anfangen?

Irgendwo. Aussortieren ist meine Arbeit.

Im Gespräch gehen wir ihr Leben der Reihe nach durch, weil sich so am leichtesten erinnern lässt. Die
Trauerrede selbst wird kein Lebenslauf. Sie folgt einem Faden, und den finden Freunde oft an Stellen, an die die Familie gar nicht denkt.

Familien erzählen oft von Weihnachten und vom Beruf. Freunde erzählen vom Urlaub in Italien, bei dem das Auto nach zwei Tagen liegen blieb. In einer Trauerrede ging es einmal um einen Mann, der sich weigerte, Landkarten zu lesen, und deshalb verlässlich woanders ankam als geplant. Solche Geschichten kennen oft die, die mit im Auto saßen.

Das Kürzen ist danach der schwerste Teil. Jede Geschichte, die ich streiche, hat jemandem etwas bedeutet, und bei einem Freundeskreis sitzen die Menschen, denen sie etwas bedeutet hat, alle in der Trauerhalle.

Auf Wunsch halte ich die Trauerrede auch auf Englisch oder zweisprachig, falls Ihr Freundeskreis über mehrere Länder verteilt ist.

Wenn Sie selbst etwas sagen möchten


Ich will auch etwas sagen. Aber ich weiß nicht, ob ich das schaffe.

Wenn Ihnen am Pult die Stimme wegbleibt, bleibt sie eben weg. Dann warten alle, bis sie wiederkommt. Es sind nicht die ersten Tränen, die ich an einem Rednerpult sehe.

Manchmal sprechen Angehörige oder Freunde selbst. Das Patenkind hat ein paar Sätze gesagt, bei der Trauerfeier mit dem süßen Wein waren es gleich mehrere.
Sagen Sie mir im Trauergespräch, wer sprechen möchte, dann plane ich es ein. Das ist wichtig, weil eine Trauerfeier in der Halle auf den meisten Friedhöfen 30 Minuten dauert. Mehr Zeit lässt sich gegen Aufpreis dazubuchen, und das klären wir rechtzeitig.

Ihre Worte schreiben Sie selbst, dabei helfe ich nicht. Was Sie sagen, soll von Ihnen kommen, mit Ihren Sätzen, auch wenn sie holpern. Drei holprige Sätze von der besten Freundin erreichen eine Trauergemeinde oft mehr als jede glatte Formulierung.

Warum es bei mir keine Muster gibt


Irgendwo muss es doch eine Vorlage geben.

Die gibt es, im Netz zu Hunderten, auch kostenlos. Bei mir nicht.

Nach Beispieltexten werde ich oft gefragt. Veröffentlichte Trauerreden finden Sie bei mir keine. Jede Trauerrede gehört der Familie.
Und jede schreibe ich ein einziges Mal.

Eine Vorlage weiß nichts vom süßen Wein.

Sie weiß nichts von drei Freunden, die jahrzehntelang an seiner Seite waren, und nichts von einem Patenkind, das zum ersten Mal hört, wer sein Pate mit 25 war. Eine Trauerrede für einen Freund lebt von genau solchen Einzelheiten. Sie stehen in keinem Muster, weil nur Sie sie kennen.

Kontakt

Wenn alle nach Hause gegangen sind


Nach der Trauerfeier fragt keiner mehr, wie es mir geht.

Das höre ich von vielen, und Freunde trifft es oft noch härter. Die Familie bekommt Karten und Anrufe, und das Umfeld erwartet nach ein paar Wochen, dass es wieder geht. Von Ihnen erwartet es das oft schon am Tag nach der Beerdigung.

Wenn es bei Ihnen nicht so schnell geht,
begleite ich Sie auch danach, persönlich, am Telefon oder per Videocall. Ich kann eine richtig schreckliche Zeit ein kleines bisschen weniger schrecklich machen. Mehr verspreche ich nicht.

Und wenn Sie gerade eine Trauerrede für einen Freund oder eine Freundin suchen,
rufen Sie an. Ich komme zu Ihnen, in Ludwigshafen, in Mannheim und in die ganze Metropolregion Rhein-Neckar. Bringen Sie mit, wen Sie brauchen.


Sie fehlt. Und was Sie über sie wissen, gehört in die Trauerrede.

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